GeotechnischesSicherheitsmanagement_2001_de.pdf - iC group of ...

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SICHERHEITSMANAGEMENT 136 VAVROVSKY ET AL.: GEOTECHNISCHES SICHERHEITSMANAGEMENT IM OBERFLÄCHENNAHEN TUNNELBAU Bild 3 Position des Geotechnikers und seine Kommunikationspartner. Fig. 3 Position of the geotechnical engineer and his team. Bild 4 Rigorose Überwachung von Oberflächensetzungen und Tunnelverschiebungen bei seichtliegenden Tunneln. Fig. 4 Extensive monitoring of surface settlement and tunnel displacement at a shallow tunnel. FELSBAU 19 (2001) NR. 5 ➮ Der Geotechniker stellt damit das abschließende Element des Planungskonzepts dar und hat damit naturgemäß ein weitgehend gemeinsames Interesse mit dem Planer. Es ist daher auch aus Verantwortungsgründen zweckmäßig, einen Mitarbeiter des planenden Ingenieurs mit den Aufgaben des Geotechnikers vor Ort zu betrauen. Der Geotechniker muß kraft seiner Position unabhängig sein von den wirtschaftlichen und zeitlichen Zwängen des Baugeschehens und sich voll auf seine Aufgabe konzentrieren können. Seine Empfehlungen sind vorrangig der Sicherheit des Bauwerks verpflichtet, wobei er auch die Wirtschaftlichkeit im Auge zu behalten hat. Der Geotechniker hat jedoch keine Kompetenz zur Anordnung von Baumaßnahmen (Bild 3); diese liegt ausschließlich in den Händen der örtlichen Bauaufsicht, die möglichst das Einvernehmen mit der Bauleitung des ausführenden Unternehmers herzustellen hat. Der Geotechniker analysiert und interpretiert die geotechnischen Vorgänge auf eine Weise, die das Ergreifen von entsprechenden Maßnahmen durch die örtliche Bauaufsicht ermöglicht. ➮ Weiterhin ist außerhalb der unmittelbaren Baustellenorganisation ein entsprechend hoch qualifizierter Sachverständiger einzubinden, der laufend alle Informationen des Geotechnikers erhält und in regelmäßigen Abständen seine eigene Interpretation der Standsicherheit vornimmt und über diese auch mit der Baustelle kommuniziert. Dazu gehört insbesondere auch ein intensiver Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit dem Geotechniker. Diese Funktion kann, je nach den spezifischen Randbedingungen eines Projekts, durch den sogenannten Tunnelbausachverständigen oder auch durch einen Prüfingenieur erfolgen. Für den Fall, daß der Geotechniker auf der Baustelle für seine Ergebnisse und Empfehlungen kein ausreichendes Gehör findet, sollte es eine Durchgriffsmöglichkeit des Geotechnikers

VAVROVSKY ET AL.: GEOTECHNISCHES SICHERHEITSMANAGEMENT IM OBERFLÄCHENNAHEN TUNNELBAU Tabelle 1 Auszug aus einem Tagesbericht des Geotechnikers (Beispiel). Table 1 Extract from the daily report of the geotechnical engineer (example). Vortrieb Meßquer- Verhalten / Warnstufe Geotechn. Erforderliche Maßnahmen schnitt Normal Abweichend Kritisch Erläuterung (0) (1) (2/3) siehe ( ) BW7 MQ237-UT ✔ MQ246-UT ✔ MQ255-UT ✔ MQ264-UT ! (2) Verstärkte Stützung der Ortsbrust BL7 MQ138-UT ✔ MQ147-UT ! (1) Festigkeitsentwicklung MQ156-UT ! (1) Spritzbeton überprüfen MQ165-UT ! (1) MQ174-UT ✔ MQ183-UT ✔ MQ191-UT ✔ MQ200-UT ….. ✔ Geotechnische Erläuterungen (1) Durch den Ausbruch von Strosse und Sohle treten bei diesen Meßquerschnitten an den Ulmenpunkten große Horizontalverschiebungen, verbunden mit Setzungszuwächsen auf. Diese sehr hohen Verschiebungszuwächse sind durch die aufgrund des Ausbruchs der Kalottensohle fehlende horizontale Verspannung im unmittelbaren Ortsbrustbereich sowie das Unterschneiden der Spritzbetonschale im Zug des Strossen- und Sohlvortriebs erklärbar. Die Festigkeitsentwicklung des jungen Spritzbetons soll laut Geotechnikbesprechung vom 8. Mai 2001 an diesen Stellen laufend kontrolliert werden. (2) Relativ kompakte Ton-Sandstein-Abfolgen sind von einem steif-plastischen Tonstein abgelöst worden. Der Tonstein deckt fast das ganze Ausbruchsprofil ab und wird nur durch einzelne harte Sandsteinschollen gestört. Dieses Gebirge wurde bereits in den Vortrieben BL 7 und BL 9 angetroffen, wo ähnlich große Anfangsverformungen aufgetreten sind. über den Planer zum Baumanagement (Projektleitung) geben, die im Bedarfsfall die Möglichkeit einer Weisung hat (vgl. Bild 3). Technische Voraussetzungen Die effektive Arbeit des Geotechnikers erfordert Grundlagen, die im wesentlichen von professionellen geotechnischen Messungen und einer qualifizierten geologischen Dokumentation abhängen. Ebenso wichtig ist die geologische Zusammenschau, die Darstellung der angetroffenen Verhältnisse im Überblick sowie eine präzise Dokumentation und Aufbereitung von bautechnisch wesentlichen Elementen. Auch die besten Meßdaten werden dem Geotechniker jedoch nicht helfen, wenn deren Auswertung und Darstellung nicht dem Stand der Technik entsprechen. Dazu gehören neben dem zeitlichen Verlauf von Verschiebungen auf jeden Fall vortriebsbezogene Auswertungen (sogenannte Einflußlinien) der Verschiebungen des Hohlraumrands und der Oberfläche (Bild 4). Nur damit können ein Überblick über die Ereignisse und rasches Erkennen von Unregelmäßigkeiten gewährleistet werden. Informationsfluß und Berichtswesen Der Geotechniker übermittelt seine Interpretationen an die örtliche Bauaufsicht, die ausführende Unternehmung und an den externen Sachverständigen. Zu diesem Zweck wird empfohlen, einen täglichen Kurzbericht mit ausgewählten Darstellungen zu verfassen, der die Beurteilung des Geotechnikers darlegt. Die Formulierung der Beurteilung auf täglicher Basis ist schwierig, ohne in banale Formulierungen zu verfallen wie „MQ xy beruhigt sich“. Es ist daher empfehlenswert, die Hauptinformation in einer Tabelle darzustellen, aus der auf den ersten Blick ersichtlich ist, in welchen Bereichen des Tunnels der Geotechniker Normalverhalten diagnostiziert, und wo Abweichungen beziehungsweise Unstetigkeiten vorliegen. Im Fall derartiger Feststellungen muß eine geotechnische Analyse durchgeführt und ein Vorschlag für zusätzliche Maßnahmen (Tabelle 1) vorgelegt werden. Auf die Klassifizierung von Warnstufen sowie die Beschreibung von Warnkriterien wird noch näher eingegangen. In regelmäßigen Abständen findet eine „geotechnische Besprechung“ statt, in der die Erkenntnisse aus dem Baugeschehen, der Geologie und der Geotechnik allen am Baugeschehen verantwortlich Beteiligten präsentiert und ausführlich diskutiert werden. Diese Besprechungen dienen einerseits der Aufarbeitung des Geschehens, andererseits aber auch der Sensibilisierung und der gemeinsamen Festlegung von ge- Bild 5 Warnstufen und Aktionsebenen des geotechnischen Sicherheitsmanagements. Fig. 5 Warning and action levels of the geotechnical safety management. SICHERHEITSMANAGEMENT FELSBAU 19 (2001) NR. 5 137

VAVROVSKY ET AL.: GEOTECHNISCHES SICHERHEITSMANAGEMENT IM OBERFLÄCHENNAHEN TUNNELBAU<br />

Tabelle 1 Auszug aus einem Tagesbericht <strong>de</strong>s Geotechnikers (Beispiel).<br />

Table 1 Extract from the daily report <strong>of</strong> the geotechnical engineer (example).<br />

Vortrieb Meßquer- Verhalten / Warnstufe Geotechn. Erfor<strong>de</strong>rliche Maßnahmen<br />

schnitt Normal Abweichend Kritisch Erläuterung<br />

(0) (1) (2/3) siehe ( )<br />

BW7 MQ237-UT ✔<br />

MQ246-UT ✔<br />

MQ255-UT ✔<br />

MQ264-UT ! (2) Verstärkte Stützung <strong>de</strong>r<br />

Ortsbrust<br />

BL7 MQ138-UT ✔<br />

MQ147-UT ! (1) Festigkeitsentwicklung<br />

MQ156-UT ! (1) Spritzbeton überprüfen<br />

MQ165-UT ! (1)<br />

MQ174-UT ✔<br />

MQ183-UT ✔<br />

MQ191-UT ✔<br />

MQ200-UT<br />

…..<br />

✔<br />

Geotechnische Erläuterungen<br />

(1) Durch <strong>de</strong>n Ausbruch von Strosse und Sohle treten bei diesen Meßquerschnitten an <strong>de</strong>n Ulmenpunkten große Horizontalverschiebungen,<br />

verbun<strong>de</strong>n mit Setzungszuwächsen auf. Diese sehr hohen Verschiebungszuwächse sind durch die<br />

aufgrund <strong>de</strong>s Ausbruchs <strong>de</strong>r Kalottensohle fehlen<strong>de</strong> horizontale Verspannung im unmittelbaren Ortsbrustbereich sowie<br />

das Unterschnei<strong>de</strong>n <strong>de</strong>r Spritzbetonschale im Zug <strong>de</strong>s Strossen- und Sohlvortriebs erklärbar. Die Festigkeitsentwicklung<br />

<strong>de</strong>s jungen Spritzbetons soll laut Geotechnikbesprechung vom 8. Mai <strong>2001</strong> an diesen Stellen laufend kontrolliert wer<strong>de</strong>n.<br />

(2) Relativ kompakte Ton-Sandstein-Abfolgen sind von einem steif-plastischen Tonstein abgelöst wor<strong>de</strong>n. Der Tonstein<br />

<strong>de</strong>ckt fast das ganze Ausbruchspr<strong>of</strong>il ab und wird nur durch einzelne harte Sandsteinschollen gestört. Dieses Gebirge<br />

wur<strong>de</strong> bereits in <strong>de</strong>n Vortrieben BL 7 und BL 9 angetr<strong>of</strong>fen, wo ähnlich große Anfangsverformungen aufgetreten sind.<br />

über <strong>de</strong>n Planer zum Baumanagement (Projektleitung)<br />

geben, die im Bedarfsfall die Möglichkeit<br />

einer Weisung hat (vgl. Bild 3).<br />

Technische Voraussetzungen<br />

Die effektive Arbeit <strong>de</strong>s Geotechnikers erfor<strong>de</strong>rt<br />

Grundlagen, die im wesentlichen von pr<strong>of</strong>essionellen<br />

geotechnischen Messungen und einer qualifizierten<br />

geologischen Dokumentation abhängen.<br />

Ebenso wichtig ist die geologische Zusammenschau,<br />

die Darstellung <strong>de</strong>r angetr<strong>of</strong>fenen<br />

Verhältnisse im Überblick sowie eine präzise<br />

Dokumentation und Aufbereitung von bautechnisch<br />

wesentlichen Elementen.<br />

Auch die besten Meßdaten wer<strong>de</strong>n <strong>de</strong>m Geotechniker<br />

jedoch nicht helfen, wenn <strong>de</strong>ren Auswertung<br />

und Darstellung nicht <strong>de</strong>m Stand <strong>de</strong>r<br />

Technik entsprechen. Dazu gehören neben <strong>de</strong>m<br />

zeitlichen Verlauf von Verschiebungen auf je<strong>de</strong>n<br />

Fall vortriebsbezogene Auswertungen (sogenannte<br />

Einflußlinien) <strong>de</strong>r Verschiebungen <strong>de</strong>s<br />

Hohlraumrands und <strong>de</strong>r Oberfläche (Bild 4). Nur<br />

damit können ein Überblick über die Ereignisse<br />

und rasches Erkennen von Unregelmäßigkeiten<br />

gewährleistet wer<strong>de</strong>n.<br />

Informationsfluß und Berichtswesen<br />

Der Geotechniker übermittelt seine Interpretationen<br />

an die örtliche Bauaufsicht, die ausführen<strong>de</strong><br />

Unternehmung und an <strong>de</strong>n externen Sachverständigen.<br />

Zu diesem Zweck wird empfohlen, einen<br />

täglichen Kurzbericht mit ausgewählten Darstellungen<br />

zu verfassen, <strong>de</strong>r die Beurteilung <strong>de</strong>s<br />

Geotechnikers darlegt. Die Formulierung <strong>de</strong>r Beurteilung<br />

auf täglicher Basis ist schwierig, ohne in<br />

banale Formulierungen zu verfallen wie „MQ xy<br />

beruhigt sich“. Es ist daher empfehlenswert, die<br />

Hauptinformation in einer Tabelle darzustellen,<br />

aus <strong>de</strong>r auf <strong>de</strong>n ersten Blick ersichtlich ist, in welchen<br />

Bereichen <strong>de</strong>s Tunnels <strong>de</strong>r Geotechniker<br />

Normalverhalten diagnostiziert, und wo Abweichungen<br />

beziehungsweise Unstetigkeiten vorliegen.<br />

Im Fall <strong>de</strong>rartiger Feststellungen muß eine<br />

geotechnische Analyse durchgeführt und ein Vorschlag<br />

für zusätzliche Maßnahmen (Tabelle 1)<br />

vorgelegt wer<strong>de</strong>n. Auf die Klassifizierung von<br />

Warnstufen sowie die Beschreibung von Warnkriterien<br />

wird noch näher eingegangen.<br />

In regelmäßigen Abstän<strong>de</strong>n fin<strong>de</strong>t eine „geotechnische<br />

Besprechung“ statt, in <strong>de</strong>r die Erkenntnisse<br />

aus <strong>de</strong>m Baugeschehen, <strong>de</strong>r Geologie<br />

und <strong>de</strong>r Geotechnik allen am Baugeschehen verantwortlich<br />

Beteiligten präsentiert und ausführlich<br />

diskutiert wer<strong>de</strong>n. Diese Besprechungen<br />

dienen einerseits <strong>de</strong>r Aufarbeitung <strong>de</strong>s Geschehens,<br />

an<strong>de</strong>rerseits aber auch <strong>de</strong>r Sensibilisierung<br />

und <strong>de</strong>r gemeinsamen Festlegung von ge-<br />

Bild 5 Warnstufen<br />

und Aktionsebenen<br />

<strong>de</strong>s geotechnischen<br />

Sicherheitsmanagements.<br />

Fig. 5 Warning and<br />

action levels <strong>of</strong> the<br />

geotechnical safety<br />

management.<br />

SICHERHEITSMANAGEMENT<br />

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