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Diplomandinnen und Diplomanden des Studiengangs

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Festschrift<br />

zur Absolventenfeier 2006<br />

der Fakultät Architektur,<br />

Bauingenieurwesen <strong>und</strong> Umweltwissenschaften<br />

am 25. November 2006 im Audimax<br />

Technische Universität Braunschweig<br />

Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen <strong>und</strong><br />

Umweltwissenschaften<br />

in Zusammenarbeit mit<br />

Alumni-Bau Carolo-Wilhelmina e.V.


2<br />

Inhalt<br />

Seite<br />

Grußworte <strong>des</strong> Dekans<br />

Prof. Dr.-Ing. Dieter Dinkler 3<br />

Festvortrag<br />

Bauingenieur – ein Beruf mit Zukunft?<br />

Herr Dr.-Ing. Harry Floren 5<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong> <strong>des</strong> <strong>Studiengangs</strong><br />

Bauingenieurwesen 20<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong> <strong>des</strong> <strong>Studiengangs</strong><br />

Wirtschaftsingenieurwesen/Bau 22<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong> <strong>des</strong> <strong>Studiengangs</strong><br />

Geoökologie 23<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong> <strong>des</strong> <strong>Studiengangs</strong><br />

Geologie 23<br />

Gedanken einer Absolventin<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Britta Engel 24<br />

Preisträgerinnen <strong>und</strong> Preisträger<br />

<strong>des</strong> Jahrgangs 2006 28<br />

Danksagungen 35<br />

Allgemeine Informationen zum Fachbereich Bauingenieurwesen<br />

<strong>und</strong> seinem Ehemaligenverein Alumni-Bau Carolo-Wilhelmina e.V. 38


Grußworte <strong>des</strong> Dekans<br />

Prof. Dr.-Ing. Dieter Dinkler<br />

Liebe Absolventen, liebe Angehörige, liebe Eltern, Geschwister <strong>und</strong> Fre<strong>und</strong>e, liebe Kollegen, liebe<br />

Alumni <strong>und</strong> liebe Gäste, herzlich willkommen <strong>und</strong> ganz, ganz herzliche Grüße an Sie alle.<br />

Herzliche Glückwünsche der Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen <strong>und</strong> Umweltwissenschaften<br />

an unsere Absolventen, die mit ihrem Abschlusszeugnis endlich ein lang ersehntes Ziel erreicht<br />

haben <strong>und</strong> bereit sind, den Sprung vom ungezwungenen Studium ins stetig fordernde Berufsleben<br />

zu wagen.<br />

Herzliche Glückwünsche an unsere jungen Bauingenieure, Wirtschaftsingenieure, Geoökologen <strong>und</strong><br />

Geologen, die heute gemeinsam feiern. Heute stehen Sie am Ende eines langen Studiums, in dem<br />

viele Entbehrungen an der Tagesordnung waren, das manchmal von finanziellen Nöten bestimmt<br />

war, das Sie aber in Ihrer Persönlichkeit nachhaltig geprägt hat. Anfangs das Zurechtfinden in<br />

einem völlig neuen Umfeld, das Entwickeln neuer sozialer Kontakte: neue Fre<strong>und</strong>e, vielleicht auch<br />

neue Vorbilder. Aber auch neue, wachsende Ansprüche, Erkenntnisse <strong>und</strong> Einsichten, vielleicht<br />

auch über sich selbst.<br />

Innerhalb der vergangenen Jahre haben Sie sich so von neugierigen, vorsichtigen <strong>und</strong> unschlüssigen<br />

Studienanfängern unmerklich zu selbstbewussten jungen Ingenieuren entwickelt. Das Ganze in<br />

einem wohlbehütenden Umfeld, das Sie mit stetig steigenden Anforderungen behutsam auf immer<br />

anspruchsvollere Aufgaben vorbereitete; zwar mit festem Rahmen, aber teilweise mit großen<br />

persönlichen Freiheiten, sodass Sie sich frei entfalten konnten.<br />

Zuerst die vielen Gr<strong>und</strong>lagen, die nur manchmal erkennen lassen, was sie mit dem Bauen, mit der<br />

Geologie <strong>und</strong> der Umwelt verbindet. Nach dem Vordiplom dann die ganze fachliche Breite, die<br />

Ihnen explosionsartig die Vielfalt unseres Faches eröffnet hat. Und anschließend die Qual der Wahl,<br />

die Ihnen endlich Eigeninitiative <strong>und</strong> Entscheidungen abverlangt hat, ein kleiner Vorgeschmack auf<br />

das, was folgt. Sie haben die Fähigkeit erlernt, das kleine Detail zu verstehen, aber auch das Ganze<br />

zu übersehen, <strong>und</strong> die Wechselwirkungen vieler Fachgebiete untereinander zu durchschauen.<br />

Und Sie haben verinnerlicht, dass wir überall Verantwortung tragen: Für die Sicherheit unserer<br />

Konstruktionen, für die Zuverlässigkeit unserer Vorhersagen <strong>und</strong> Planungen - <strong>und</strong> für unsere<br />

Umwelt. Nutzen Sie Ihr Problembewusstsein <strong>und</strong> setzen Sie es dort ein, wo allzu leichtfertig<br />

argumentiert wird. Dennoch werden Sie sich heute irgendwann fragen: Hat sich das Ganze denn<br />

überhaupt gelohnt? In einer Zeit, in der sich überaus positive Meldungen aus der Wirtschaft<br />

geradezu überschlagen, können Sie fast beruhigt sein, wenn es um die Berufsaussichten geht. Sie<br />

können vielleicht besonders erwartungsvoll in die Zukunft schauen, denn bei niedrigen<br />

Absolventenzahlen ist die Nachfrage nach jungen Ingenieuren hoch. Zuversicht ist also angesagt.<br />

Sie selbst haben alles in der Hand. Sie selbst haben sich im Studium zu Ingenieuren gebildet. Wir<br />

als Fakultät konnten nur den Rahmen bieten <strong>und</strong> anleiten. Machen Sie weiter so, gestalten Sie Ihre<br />

<strong>und</strong> unser aller Zukunft <strong>und</strong> verwirklichen Sie Ihre Wünsche. Dann haben sich alle Mühen gelohnt.<br />

Seien Sie beweglich - räumlich <strong>und</strong> geistig. Wagen Sie den Sprung in eine andere Stadt, in ein<br />

anderes Land, ja vielleicht sogar in ein neues Aufgabengebiet. Sie sind so gut ausgebildet, geistig so<br />

flexibel <strong>und</strong> frisch, dass Sie sich überall durchsetzen können. Bleiben Sie offen für die Anregungen<br />

Ihrer Umwelt, bleiben Sie nicht stehen, sondern entwickeln Sie sich auch persönlich weiter. Unsere<br />

Zeit ist noch kurzlebiger als manche von uns glauben. Und nur wer mit dem steten Wandel im<br />

3


Einklang steht, hat es leichter <strong>und</strong> kann mitgestalten. 100 gute Ratschläge. Das wirkt fast so, als<br />

wenn wir etwas im Studium vergessen hätten. Es ist aber wohl eher ein Zeichen <strong>des</strong><br />

Abschiednehmens. Die gesamte Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen <strong>und</strong><br />

Umweltwissenschaften freut sich heute mit Ihnen über Ihre Leistungen, gratuliert Ihnen ganz<br />

herzlich zu Ihrem Erfolg <strong>und</strong> wünscht Ihnen alles Gute für Ihre Zukunft.<br />

Bevor wir nun mit unserem Programm fortfahren, möchte ich Ihnen allen für Ihr Kommen danken,<br />

ohne dass diese Festveranstaltung nicht möglich wäre. Es zeigt das riesige Interesse an unserer<br />

Fakultät <strong>und</strong> an unserer Arbeit. Danken möchte ich auch den Stiftern <strong>und</strong> den Sponsoren <strong>des</strong><br />

heutigen Abends, die wir hier noch einmal besonders ansprechen möchten. Es sind dies: Der<br />

Braunschweigische Hochschulb<strong>und</strong>, unser Ehemaligenverein Alumni-Bau Carolo-Wilhelmina e.<br />

V., die Firma HOCHTIEF, die Ingenieurkammer Niedersachsen <strong>und</strong> die Firma MLP.<br />

So nun kommen wir zu unserem ersten Hauptvortrag <strong>des</strong> Abends, den uns diesmal Herr Dr. Harry<br />

Floren als Ehemaliger Studierender <strong>des</strong> Bauingenieurwesens präsentieren wird.<br />

4


Festvortrag eines Ehemaligen<br />

Bauingenieur – ein Beruf mit Zukunft?<br />

Dr.-Ing. Harry Floren<br />

ASSMANN BERATEN + PLANEN GmbH<br />

Sehr geehrter Herr Prof. Dinkler, Sehr geehrte Professoren, sehr geehrte Absolventen<br />

sehr geehrte Damen <strong>und</strong> Herren<br />

Ich freue mich sehr, dass ich hier seit langer Zeit wieder einmal in den schönen Räumen unserer<br />

Alma Mater, der Carolo Wilhelmina zu Braunschweig weile. Als ich den Anruf von Prof. Dinkler<br />

erhielt, ob ich hier <strong>und</strong> heute einen Vortrag halten wolle, habe ich spontan zugesagt, nicht nur weil<br />

ich mich geehrt, sondern auch, weil ich mich ein wenig geschmeichelt fühlte.<br />

Nach der ersten Freude kam dann die Ernüchterung ...... <strong>und</strong> die Selbstzweifel, als ich mir überlegen<br />

musste, was ich Ihnen denn erzählen könnte. Den ersten Gedanken, Prof. Dinkler anzurufen mit der<br />

Bitte, es sollte doch lieber jemand vortragen, der ein bisschen mehr Berufsjahre hätte, habe ich nach<br />

einem kritischen Blick in den Spiegel wieder verworfen. Die grauen Haare, die Brille <strong>und</strong> die etwas<br />

veränderte Figur holten mich in die Realität zurück, dass mein Diplom mittlerweile nun auch schon<br />

15 Jahre zurückliegt. Nun was hätte ich mir vor 15 Jahren gewünscht, dass man mir erzählt. Ich<br />

hätte damals gern gewusst, was ich jetzt mit meinem Diplom machen solle. Ich hatte zwar voller<br />

Enthusiasmus <strong>und</strong> Begeisterung studiert, aber vom Bauen hatte ich trotzdem kaum Ahnung, trotz<br />

der Praktika. Und schon gar nicht wusste ich, was mir soviel Spaß machen würde, dass ich dies bis<br />

zum Rentenalter ausüben wolle, wo ich richtig aufgehoben sein würde. Wenn Sie allerdings nun<br />

erwarten, dass ich diese Fragen für Sie beantworte, muss ich Sie leider auch enttäuschen. Ich kann<br />

ihnen, aus meinen zugegebenen Maßen sehr kleinem Blickfeld, nur erzählen, was mich damals<br />

erwartete, als ich gerade frisch mein Diplom in der Hand hielt:<br />

Nach einem kleinen Aufenthalt am Institut für Statik suchte ich damals nach einer Stelle, wo ich<br />

meine Ingenieurträume verwirklichen könnte. Eine Stelle zu finden war damals zugegebenermaßen<br />

nicht all zu schwierig. Schließlich herrschte ja der so genannte Bauboom. Ich wollte nach Berlin,<br />

wollte mit dabei sein, wenn zwei Nationen zusammenwachsen. Goldgräberstimmung. Ich fand auch<br />

eine Firma, die ich überzeugen konnte, dass man ausgerechnet mich als Tragwerkplaner unbedingt<br />

in Berlin bräuchte. Ich fing bei einer nicht ganz kleinen Firma mit verschiedenen Abteilungen<br />

<strong>des</strong>wegen an, weil ich mir ganz <strong>und</strong> gar nicht sicher war, ob ich bis zum Rentenalter<br />

Tragwerksplaner sein wollte. Trotz der Promotion in Statik.<br />

Das Leben als Tragwerksplaner<br />

Nach der ersten Euphorie holte mich<br />

schnell die Realität ein. Natürlich war<br />

Hochkonjunktur. Aber Berlin hatte auch<br />

gleichzeitig die höchste Planerdichte in<br />

ganz Europa. Die HOAI, die<br />

„Honorarordnung für Architekten <strong>und</strong><br />

Ingenieure“, gesetzliche Verordnung<br />

<strong>und</strong> früher ein Garant für auskömmliche<br />

Honorare, war nicht mehr das Papier<br />

Wert, auf dem es geschrieben wurde,<br />

nicht einmal für die öffentliche Hand.<br />

5


Aufträge gab es genügend, aber Kostendeckung war ein Problem. Sanierungen waren nicht gerade<br />

ein Ingenieurtraum, aber sie brachten Gewinn. Das „Kurfürsteneck“ ist ein Synonym für die weitere<br />

Entwicklung der Baubranche. Schneider, ein damals bekannter Baulöwe, hatte keine Probleme,<br />

Kredite zu bekommen. Das Bau- <strong>und</strong> Immobiliengeschäft war damals bei Banken-Finanzierungen<br />

ein scheinbar sicheres Geschäft. Seine Insolvenz, die viele Kleinunterunternehmer mit sich in den<br />

Abgr<strong>und</strong> zog, sollte der Anfang einer nicht enden wollenden Pleitewelle am Bau werden. Wir<br />

hatten Glück, wir bekamen von der finanzierenden Bank, dem neuen Eigentümer der Immobilie,<br />

den Planungsauftrag für die Umplanung.<br />

Auch für Tragwerksplaner wurde der Markt eng. Mit dem Verfall der Honorare nahm der<br />

Konkurrenzkampf zu. Statik zum Dumpingpreis, kaum die Kosten deckend. Überleben konnte auf<br />

Dauer nur der, der Nischen entdeckte oder durch besondere Leistungen hervorstach. Viele<br />

Architekten konnten gewonnen werden, weil ich mich in ihre Welt hineindenken konnte ihr Feuer,<br />

ihr Enthusiasmus auch in mir ein Feuer entfachte, mich mitriss weil ich ihnen half, ihre Visionen zu<br />

realisieren, ich mir ihre Visionen zu eigen machte. Ich wurde Abteilungsleiter, später Prokurist.<br />

Aber noch heute betreue ich einige „meiner“ Architekten persönlich, dieses Feuer brennt immer<br />

noch in mir.<br />

6


Das Leben als Spezialist<br />

Viele der Ingenieurbüros verschwanden<br />

vom Markt. Von den großen 10 in<br />

Deutschland überlebten gerade mal die<br />

Hälfte. Qualität alleine reichte nicht aus,<br />

um am Markt zu bestehen. Besonders hart<br />

traf es wie immer die Architekten, bei<br />

denen bis heute ein Überangebot von<br />

Studienabgängern der Nachfrage <strong>des</strong><br />

Marktes gegenüber steht <strong>und</strong> damit die<br />

Arbeitsmarktsituation der Architekten<br />

<strong>und</strong> deren Gehälter nachhaltig<br />

beeinflusst. Wir führten besondere<br />

Serviceleistungen ein, bauphysikalische<br />

Simulationen, ... heute Standard, wurden<br />

beispielsweise zu Laborspezialisten. Koordinierten immer häufiger innerhalb der Planungsteams die<br />

Leistungen der anderen, dachten für die anderen mit. Bei unseren K<strong>und</strong>en machte häufig der<br />

Tragwerksplaner die Terminpläne für die Planung, nicht der Architekt. Der Ingenieur wurde<br />

Projektleiter. Und das funktionierte.<br />

7


Der Generalplaner ....<br />

Wir versuchten immer häufiger, dem K<strong>und</strong>en die Planung aus einer Hand anzubieten, die<br />

„Generalplanung“, um das „Produkt Gebäude“ ganzheitlich zu optimieren. Im Industriebau gelingt<br />

das häufig, im Ausland ist es ein Muss, in Deutschland ist die Generalplanung bis heute noch die<br />

Ausnahme. An die Ingenieure stellt die Generalplanung eine besondere Herausforderung. Man ist<br />

nicht mehr länger nur für seinen eigenen Arbeitsbereich verantwortlich, man muss für die anderen<br />

mitdenken. Den K<strong>und</strong>en interessiert mit Recht nur das Gesamtergebnis. Für den Weg dahin trägt er<br />

keine Verantwortung mehr, weiße Flecken in der Planung zwischen den einzelnen Fachrichtungen<br />

darf es nicht mehr geben.<br />

Bürozentrum „Infopark Budapest“<br />

<strong>und</strong> der Manager ....<br />

8


Nun, was ist aus mir geworden in den letzten 15 Jahren? Ich bin<br />

Geschäftsführer einer Firma mit 400 Mitarbeitern, bin<br />

Gesellschafter, Mitbesitzer der Firma. Aber ich bin immer noch<br />

Ingenieur. Auch im Kopf. Und mit dem Herzen. ..... Statiken stelle<br />

ich nicht mehr auf. Die Managementaufgaben, Personalführung<br />

<strong>und</strong> –leitung, die Projektleitung, das Krisenmanagement nehmen<br />

einen großen Teil der Zeit in Anspruch. Natürlich auch die<br />

Akquisition <strong>und</strong> der K<strong>und</strong>enkontakt. Ich bin der Key-Account für<br />

viele K<strong>und</strong>en, ihr direkter <strong>und</strong> einziger Ansprechpartner in den<br />

Projekten.<br />

Terminpläne bestimmen den Alltag ...<br />

Terminpläne bestimmen den Arbeitstag. Nicht nur weil unsere Welt allgemein hektischer geworden<br />

ist. Das Investitionsverhalten hat sich geändert, hat sich dem Ausland angepasst. Früher hatten wir<br />

eine Auslastung von 9 Monaten im Voraus. Heute ist dieser geschrumpft, in der Tragwerksplanung<br />

zeitweise auf 3 Monate. Einen Vorlauf gibt es nicht mehr. Wenn ein Projekt beauftragt wird, ist am<br />

9


nächsten Tag Projektstart. Ohne Rücksicht, ob ich dafür 25 Mitarbeiter brauche, die natürlich nicht<br />

irgendwo herumstehen. Dadurch bekommt ein anderer Punkt Bedeutung. Terminverzüge sind nicht<br />

durch die Haftpflichtversicherung gedeckt. Neben den bereits benannten Problemen, verschlechterte<br />

sich in den letzten Jahren leider auch die Zahlungsmoral. Ein viel diskutiertes Problem. War früher<br />

ein Auftrag der öffentlichen Hand ein Garant für ein auskömmliches Honorar, wurde bald auch hier<br />

die Honorarordnung umgangen. Und auch mit der Zahlungsmoral der öffentlichen Hand war nicht<br />

mehr viel los. Verzögerte Zahlungen brachten viele Unternehmen in Schwierigkeiten. Die Technik<br />

schreitet voran. Arbeitete ich zu meiner Doktoranden-Zeit noch an einem zentralen Großrechner,<br />

PC’s hatten noch nicht diese Verbreitung, aber auch nicht die Leistungsfähigkeit wie heute, wird<br />

heute an einem Projekt an verschiedenen Standorten gearbeitet. Parallel, nicht mehr hintereinander,<br />

jeder stets auf dem aktuellen Planungsstand. Kaum noch Faxe, das (fast) papierlose Büro: Aus den<br />

250 Projektordnern Papier sind 10 geworden. Keine Ausreden mehr „ich habe die Nachricht nicht<br />

erhalten, habe die Zeichnung nicht gesehen“. Alles wird protokolliert, das gläserne Büro.<br />

Nun werden Sie sich fragen, macht es diesem Menschen da vorne überhaupt noch Spaß, unter<br />

diesen Bedingungen <strong>und</strong> bei der Konjunktur noch als Bauingenieur zu arbeiten: Hat die Presse doch<br />

Recht, hätte ich vielleicht doch lieber Informatik studieren sollen? Nun für mich ist die Frage leicht<br />

<strong>und</strong> ohne Zögern beantwortet. Der Kommunismus fordert, dass der Arbeiter durch den<br />

Arbeitsprozess quasi der Besitzer <strong>des</strong> von ihm hergestellten Produktes werden soll. Auch wenn ich<br />

sonst nicht allzu viel vom Kommunismus halte, so hat der Kern dieser Aussage doch etwas für sich.<br />

Es gibt kaum einen Beruf an dem ich derart an der Herstellung <strong>und</strong> der Gestaltung eines Produktes,<br />

eines bestehen bleibenden Produktes, mitwirken kann. Je<strong>des</strong> meiner Gebäude „gehört“ mir<br />

irgendwie ein bisschen. Was ist das Ingenieurdasein für mich? Eine komplexe Aufgabe, mit vielen<br />

Facetten <strong>und</strong> Problemen, bei der ich nur als Team erfolgreich sein kann. In nur wenigen Berufen<br />

kann ich soviel Kreativität entfalten. Ein Traumberuf.<br />

Ich weiß, am Berufsanfang ist diese Begeisterung schwer zu fassen, schwer zu begreifen oder zu<br />

beschreiben. Ich wünsche Ihnen nur, dass Sie die Chance ergreifen, <strong>und</strong> mit Herz <strong>und</strong> Seele<br />

Bauingenieur werden, um dann zu verstehen, was ich meine. Eines meiner vielen Projekte war die<br />

mexikanische Botschaft in Berlin, die Sie hier auf den Bildern sehen. Auf Basis eines<br />

10


internationalen Architektur-Wettbewerbs sollte die Botschaft neu errichtet werden, in Sichtweite<br />

<strong>des</strong> Potsdam-Centers <strong>und</strong> der Siegessäule. Den Auftrag für Management <strong>und</strong> Generalplanung hatte<br />

bereits ein amerikanisches Büro. Nach monatelangem „Kampf“ war das mexikanische<br />

Außenministerium überzeugt, dass wir die bessere Wahl wären, <strong>und</strong> beauftragte uns. Ein sehr<br />

außergewöhnlicher Wettbewerbsentwurf. Eine der beiden mexikanischen Entwurfsverfasser war<br />

Schüler von Le Corbussier.<br />

Für die Botschaft entwickelten wir, in vielen Versuchsreihen während der Planungsphase, einen<br />

„neuen“ Baustoff: Marmorbeton. Als Zement wurde ein weißer Portlandzement verwendet, der<br />

auch noch chemisch aufgehellt wurde. Als Zuschlag diente kristallweißer Marmorbruch, ein<br />

Abfallprodukt beim Brechen <strong>des</strong> Marmors, <strong>und</strong> der Marmorstaub, der beim Schleifen zwangsläufig<br />

mit entsteht. Zweifelsohne eine stark ungleichförmige Sieblinie. Nach mehrmonatigen Versuchen<br />

bekamen wir einen B35 hin. Nun wollten wir den Beton aber auch noch behauen, er sollte ja den<br />

Eindruck von Marmor vermitteln. Alle Versuche schlugen fehl. Das Ergebnis sah wie billiger<br />

Waschbeton aus.<br />

Wir also mit 60 kg Beton im Gepäck nach Mexiko <strong>und</strong> Kriegsberatung mit den Mexikanern. Vor<br />

Ort ließen wir von den Steinmetzen vor den Augen der Architekten unsere Proben behauen. Das<br />

Ergebnis sah fantastisch aus. Was war passiert? Nun nach einiger Zeit fiel der Groschen. Der<br />

Marmor war deutlich schwerer als unsere Zuschlagsstoffe <strong>und</strong> sackte beim Verdichten<br />

überproportional nach unter, so dass es bei jedem Würfel eine Seite gab, die nicht zu behauen war.<br />

Also ließen wir unsere 20 m hohen Stützen nur an 3 Seiten behauen <strong>und</strong> mussten die 4. Seite<br />

verstecken.<br />

11


Neben der Frontfassade ist der zentrale Zylinder, der zum großen Teil „frei in der Luft schwebt“,<br />

einer der wenigen Punkte, in dem direktes Licht in das Gebäude scheint. Die architektonische<br />

Gestaltung im Innern der Botschaft orientiert sich an den Prinzipien der materiellen Klarheit <strong>und</strong><br />

formalen Einfachheit der klassischen Moderne, insbesondere Le Corbussiers. Alle Wände <strong>und</strong><br />

Decken sind weiß <strong>und</strong> werden nur indirekt beleuchtet. Die weißen Flächen beleuchten die Räume<br />

<strong>und</strong> schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Wände <strong>und</strong> Decken <strong>des</strong> Erdgeschosses, das gleichzeitig<br />

auch als Kulturzentrum <strong>und</strong> Ausstellungsfläche dient, sowie der Zylinder <strong>und</strong> die Außenfassade<br />

sind behauen.<br />

12


Der Zylinder ist gleichzeitig innere Erschließung, er beherbergt den gläsernen Aufzug, <strong>und</strong> Ort der<br />

Kommunikation. Die Umfassungsflächen sollten die wichtigsten Elemente symbolisieren. Der<br />

weiße Marmor den Sand Mexikos, das gläserne Dach den blauen Himmel Mexikos, die<br />

Gartenterrassen den grünen Dschungel Mexikos. Die üppigen grünen Pflanzen blieben bei der<br />

Budgetkürzung <strong>des</strong> Auenministerium leider auf der Strecke.<br />

Die Fassade wird von einem 18m hohen Portal bestimmt, <strong>des</strong>sen dreieckige Öffnung zum Eingang<br />

führt <strong>und</strong> den Fußgänger in das Gebäude zieht. Die Öffnung entsteht aus einer schrägen <strong>und</strong> einer in<br />

der Form eines hyperbolischen Paraboliden geschwungenen Fläche. (Zur Erinnerung: die<br />

Erzeugende eines hyperbolischen Paraboloiden ist eine Gerade, nämlich die Stütze). An der<br />

gesamten Straßenfront sind vor der Glasfassade über die gesamte Höhe die vertikalen, tragenden<br />

Stützen aus weißem Marmorbeton gespannt, die damit gleichzeitig Baustruktur <strong>und</strong> Fassade sind<br />

<strong>und</strong> von innen nach außen maximale Transparenz zulassen, so dass der flanierende Fußgänger am<br />

Innenleben <strong>des</strong> Kulturzentrums teilhaben kann. Da es nur wenige Wände innerhalb <strong>des</strong> Gebäu<strong>des</strong><br />

gibt, stellen die Stützen einen wichtigen Teil der Tragstruktur dar. Nun das Ergebnis ist sicherlich<br />

ein einzigartiges Bauwerk, ein „Architekturdenkmal“. Es polarisiert. Es wird von der<br />

Architekturpresse entweder total zerrissen oder in den höchsten Tönen gelobt.<br />

Wenn ich ’mal eine Frustphase habe <strong>und</strong> der Stress zu viel wird, dann gehe ich in der „Langen<br />

Nacht der Museen“ in Berlin zur Botschaft <strong>und</strong> reihe mich in die lange Reihe der Besucher ein, die<br />

die Chance nutzen wollen, um einmal die Botschaft von innen zu sehen. Dann höre ich mir die<br />

Kommentare an <strong>und</strong> lasse mir erzählen, wie wir dies <strong>und</strong> jenes konstruiert haben, was das für ein<br />

Material ist <strong>und</strong> was wir uns bei diesem Detail gedacht haben. Die Leute nehmen teil an „meinem“<br />

Gebäude. Das Gebäude ist ein Teil von mir. Es ist übrigens auch der Gr<strong>und</strong>, warum ich innerhalb<br />

von wenigen Wochen meine grauen Haare bekommen habe.<br />

Neue Märkte<br />

Soviel zunächst einmal zum Baugeschehen in Deutschland. Der Binnenmarkt war <strong>und</strong> ist schwierig.<br />

Assmann <strong>und</strong> einige andere suchten neue Märkte. Waren wir schon früher immer wieder im<br />

13


Ausland tätig, i.a. im Auftrag deutscher K<strong>und</strong>en, versuchten wir nun aus eigener Initiative, neue<br />

Märkte zu erschließen, auch ausländische K<strong>und</strong>en zu gewinnen. Aus der Not war dies geboren.<br />

Nun, der Zusammenbruch der Sowjetunion <strong>und</strong> <strong>des</strong> Warschauer Paktes <strong>und</strong> die EUErweiterung<br />

zeigten den Weg. In Russland, in Polen <strong>und</strong> in Ungarn gründeten wir Niederlassungen. Ich selbst<br />

war in Russland unterwegs. Vor einigen Jahren war dies noch spannend manchmal auch ein<br />

bisschen seltsam. Spannend ist es geblieben. Damals kamen noch Herren <strong>und</strong> boten einem auf der<br />

Baustelle Schutz an. Dies ist seit Perestroika verschw<strong>und</strong>en. Und man musste trinkfest sein, um<br />

gute Verträge abzuschließen. Dies ist nicht mehr so, oder meine Leber hat sich daran gewöhnt. Aber<br />

die Entscheidung war <strong>und</strong> ist wichtig <strong>und</strong> richtig. Die Wirtschaft im Osten boomt, gerade wegen der<br />

Erdöl- <strong>und</strong> Gasvorkommen. Heute ist der Auslandsanteil an unseren Leistungen kaum noch<br />

wegzudenken, er ist fester Bestandteil geworden, so wie das Arbeiten im Ausland fester Bestandteil<br />

unserer Arbeit geworden ist.<br />

Nun, die Bilder sehen nicht gerade einladend aus <strong>und</strong> mögen auch nicht dazu verlocken, ins<br />

Ausland zu gehen. Tatsächlich ist es so, dass es sehr schwierig ist, Mitarbeiter in Ausland zu<br />

schicken. Dies mag daran liegen, dass wir keine Kolonialmacht waren. Tatsächlich fällt es<br />

Engländern, Franzosen <strong>und</strong> Amerikanern sehr viel leichter, einen Arbeitsplatz im Ausland<br />

anzunehmen. Sie sind es mehr gewohnt, ins Ausland zu gehen, sie sind offener, sind nicht so sehr<br />

an Ihre Heimatscholle geb<strong>und</strong>en. Für diese Baustelle im finsteren Tartarstan habe ich einen meinen<br />

Bauleiter einmal „zwangsversetzt“. Er wollte partout nicht ins Ausland, obwohl er eigentlich genau<br />

der „Typ“ eines Auslandsbauleiters war. Da ich ihn bereits 10 Jahre kannte, glaubte ich, dies<br />

beurteilen zu können, <strong>und</strong> sagte ihm, er würde jetzt für 3 Monaten zwangsversetzt werden, ob er<br />

wolle oder nicht. Nach 3 Monaten könne er dann selber entscheiden, ob er wieder zurückwolle.<br />

Oh je, was hatte ich angerichtet. Nach drei Monaten gab es einen kaum zu schlichtenden Ehestreit,<br />

weil er nicht mehr zurück wollte. Er blieb, bis die Baustelle abgerechnet war. Nun was ist so<br />

interessant am Ausland. Die Erfahrung? Die Größe der Projekte? Sie können sich wahrscheinlich<br />

noch nicht vorstellen, was es bedeutet, verantwortlich zu sein auf einer Baustelle, in der mehrere<br />

H<strong>und</strong>ert Arbeiter r<strong>und</strong> um die Uhr bei jeder Temperatur <strong>und</strong> jedem Wetter arbeiten. Und alle wollen<br />

14


das gleiche, dass dieses Bauwerk entsteht. Dies geht nur im Team. Was es bedeutet, wenn dort ’zig<br />

Kräne arbeiten, große Muldenkipper im Minutentakt auftauchen, wenn dort ein riesiges Loch in der<br />

Größe mehrerer Fußballfelder entsteht <strong>und</strong> daraus dann ein Gebäude gen Himmel wächst. Das ist<br />

Leben!. Das ist das Leben eines Ingenieurs! Unvergleichlich! Unvergesslich!<br />

Der Arbeitsmarkt<br />

Nun, Sie werden sich fragen. was hat das alles mit Ihnen zu tun? Heute ist alles anders. Was nützen<br />

mir solche Erfahrungen? Die Bauwirtschaft liegt am Boden, es zeichnet sich keine Besserung ab, es<br />

sind keine Jobs zu finden. Das wird doch überall berichtet. Noch vorgestern wurde einer der<br />

Vorstandsmitglieder einer großen Bauaktiengesellschaft auf einem Vortrag von einem Landrat<br />

beschimpft, weil dieser darum warb, dass doch mehr Leute Bauingenieurwesen studieren. Dies sei<br />

doch unverantwortlich den Studienanfängern gegenüber. Tatsächlich schreibt die Presse immer<br />

noch, wie schlecht es der Baubranche geht, <strong>und</strong> die Beteiligten tun Ihren Teil daran, in dem sie mit<br />

jammern.<br />

Tatsache ist, dass der deutschen Wirtschaft in den nächsten Jahren die Ingenieure ausgehen. Indiz<br />

dafür ist der seit dem Ende der 90er Jahre anhaltend starke Rückgang von Absolventen <strong>und</strong> die<br />

Anzahl der Ingenieure, die alljährlich aus Altersgründen aus dem Erwerbsleben aussteigen.<br />

Betroffen sind vor allem der Maschinenbau, der Elektrotechnik <strong>und</strong> die Baubranche.<br />

Während laut statistischem B<strong>und</strong>esamt (aus dem Jahr 2005) 1999, also noch vor 7 Jahren, jährlich<br />

7.737 Bauingenieure die Hochschulen <strong>und</strong> Fachhochschulen verließen, davon 2.298<br />

Hochschulabgänger, ist die Zahl schon 2004, also 5 Jahre später auf 5.169gesunken. Dies sind<br />

insgesamt 33% weniger. Und dieser Trend wird sich noch verstärken. Die Zahl der Studienanfänger<br />

scheint sich bei einer Zahl von etwa 8.000 einzupendeln, während es noch vor 10 Jahren mehr als<br />

12.000 Studienanfänger gab. Bei den Universitäten hat sich in diesem Zeitraum die Anzahl der<br />

Studienanfänger halbiert. Es wird sich also zeitverzögert der Rückgang der Anfängerzahlen weiter<br />

bemerkbar machen. So sind denn ab 2011 weniger als 4.500 Absolventen zu erwarten, davon nur<br />

1.500 Hochschulabgänger. Nun was ist davon zu merken. Zu merken ist, dass die Konjunktur längst<br />

angezogen hat. Wir bauen derzeit eines der größten Einrichtungshäuser Deutschlands. In der<br />

Endr<strong>und</strong>e waren nur noch 2 Generalunternehmer, die das Gebäude bauen „wollten“. Gut das den<br />

beiden dies nicht bekannt war.<br />

15


Erfahrene Bauingenieure sind auf dem Markt kaum zu finden. Erfahrene konstruktive Ingenieure<br />

gibt es nicht mehr, ebenso keine erfahrenen Projektsteuerer. Erfahrene Bauleiter nur wenig, mit<br />

Sprachkenntnissen oder gar Auslandserfahrung gar nicht. Nicht mal für den Binnenmarkt können<br />

wir erfahrene <strong>und</strong> qualifizierte Ingenieure in ausreichender Geschwindigkeit einstellen, weil diese<br />

nicht am Markt verfügbar sind, da Erfahrene scharenweise aus Altersgründen ausscheiden oder z. T.<br />

auch noch in den Vorruhestand gehen. Eine Lösung wäre, das Rentenalter für Bauingenieure auf 90<br />

Jahre anzuheben Nun, was hilft Ihnen das als Berufsanfänger. Die Situation ist schwierig, da nicht<br />

an allen Stellen Absolventen ohne einen erfahrenen älteren „Coach“ eingesetzt werden können. Die<br />

ganze Branche ist hoffnungslos überaltert, weil man es aufgr<strong>und</strong> der langen Flaute versäumt hat<br />

oder wirtschaftlich nicht in der Lage war, kontinuierlich Nachwuchs einzustellen.<br />

Ich habe das Ende eines Baubooms miterlebt <strong>und</strong> das danach kommende Tief der Baubranche <strong>und</strong><br />

erlebe nun das Anziehen <strong>des</strong> Marktes. Auch in Deutschland, aber insbesondere im Ausland. Gute<br />

konstruktive Absolventen, das heißt Vertiefer mit den Fächern Statik, Massivbau, Stahlbau, sind<br />

jetzt auch schon rar.<br />

Die Zukunft?<br />

Nun, was soll ich Ihnen noch sagen. Ich will Ihnen nur zum Abschluss zeigen, was Sie erwartet,<br />

wenn Sie offen sind Nun so was erwartet einen auch. Aber reden Sie sich nicht ein, das wäre nichts<br />

für Sie, bevor Sie es selber ausprobiert haben. Die Aufgaben <strong>und</strong> die Erfüllung, die Sie dabei<br />

erfahren, ist unbeschreiblich. Im positiven Sinne.<br />

So was erwartet einen aber auch. Grosse, faszinierende Projekte, wie man sie in Mitteleuropa schon<br />

lange nicht mehr kennt. Dies wird hoffentlich das neue Stadium von Spartak Moskau zu werden<br />

16


Deutsche Ingenieure haben bis heute immer noch ein hohes Ansehen, überall auf der Welt. Nur<br />

wissen das die Deutschen nicht. Um dies zu erkennen, müssten Sie ja auch in’s Ausland gehen.<br />

Dies ist das größte Stahlwerk in den USA, zur Zeit in der frühen Planung. Bestehend aus einem<br />

Warmwalzwerk, einem Kaltwalzwerk <strong>und</strong> einem Edelstahlwerk. Geplant von deutschen<br />

Ingenieuren Investitionsvolumen etwa 3,5 Milliarden Euro, davon etwa 1 Milliarde Bau. Vielleicht<br />

können Sie sich ein wenig ausmalen, mit welcher Teamgröße wir an solchen Projekten arbeiten?<br />

Auch wenn die deutschen Ingenieure überall schon ein hohes Ansehen haben, das Image der<br />

Deutschen Ingenieure in Middle East ist durch nichts nicht zu übertreffen. Sicherlich hat unsere<br />

zurückhaltende Nahostpolitik der letzten 10 Jahre einen großen Teil dazu beigetragen. Aber auch<br />

die wenigen Ingenieurleistungen, die wir in den letzten Jahren dort erbracht haben. Und dennoch ist<br />

der Markt bisher noch in der Hand der Amerikaner <strong>und</strong> der Engländer. Wir sind zwar<br />

Exportweltmeister, aber im Ausland spielen wir nur in der Bezirksliga. Und dies nicht, weil wir dort<br />

zu wenig Aufträge bekommen, sondern nur, weil wir nicht genügend Ingenieure finden, die gerne<br />

an solchen faszinierenden „Monster“projekten mitarbeiten.<br />

17


Links sehen Sie einen Tower, den wir in Europa wohl niemals bauen werden. Planungsbeginn im<br />

nächsten Sommer. Wir müssen nur erst einen Interimsbau erstellen, damit wir das Gr<strong>und</strong>stück frei<br />

bekommen. Rechts ein Financial district mit 11 Wolkenkratzern, davon 1 Hotel, der Rest<br />

Bankgebäude, sowie einer Shopping Mall <strong>und</strong> Entertainment. Investitionsvolumen etwa eine<br />

Milliarde. Was Sie nicht sehen, sind die deutschen Ingenieure, die fehlen nämlich noch, etwa in der<br />

Größenordnung von 75.Sie allein können nur entscheiden, was Sie machen oder welchen Weg Sie<br />

gehen. Aber wenn Sie etwas machen, machen Sie es mit Herzblut, niemals mit halbem Herzen.<br />

Über den Tellerrand gucken, nach den Sternen greifen. Seien Sie bereit, ins Ausland zu gehen.<br />

Lassen Sie sich mitreißen, werden Sie ein richtiger Bauingenieur mit Fleisch <strong>und</strong> Blut!<br />

18


Was ich machen werde bis zur Rente?<br />

Nun, zu meiner Studentenzeit gab es hier 2 Brüder, Klaus <strong>und</strong> Hans Simons, die Geschäftsführer<br />

bei den beiden größten deutschen Baufirmen waren <strong>und</strong> zur gleichen Zeit einen Ruf an die TU<br />

Braunschweig angenommen hatten. Klaus Simons, seines Zeichens Professor am Lehrstuhl<br />

Bauwirtschaft, hatte immer ein Bündel von Banknoten dabei, das ein Bauwerk von ihm oder seinem<br />

Bruder zeigte. Sein ganzer Stolz war eine arabische Banknote, auf deren einer Seite eines seiner<br />

Bauwerke <strong>und</strong> auf der Rückseite ein Bauwerk seines Bruders prunkte. Daran arbeite ich noch. Und<br />

dann gibt es noch ein paar Ingenieur-Träume, die es noch zu verwirklichen gilt. Eine große Brücke<br />

<strong>und</strong> einen Kühlturm will ich noch bauen. Oder ein Tunnel nach Amerika, das wäre doch eine<br />

Ingenieur-Aufgabe !!!<br />

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit<br />

19


Anschütz , Katrin<br />

Baumert, Christian<br />

Becker, Heiko<br />

Behrndt, Max<br />

Beilke, Sören<br />

Berkenbrink , Cordula<br />

Bethge, Arne<br />

Bihs, Hans<br />

Bock, Susanne<br />

Bombeck , Markus<br />

Borcherding, Christian<br />

Böttcher, Sven<br />

Brüninghold, Max<br />

Conrads, Lejla<br />

Datz , Daniel<br />

Diekmann, Andreas<br />

Donadei, Kevin<br />

Dzick, Susanne<br />

Ebel , Olga<br />

Esemen, Timur<br />

Fischer, Jan<br />

Flörcke , Knut Enno<br />

Frank, Benjamin<br />

Gabriel , Jan-Moritz<br />

Goldbach, Andreas<br />

Gudlin, Andreas<br />

Hall, Christoph<br />

Hamzaoui, Leila<br />

Harre, Salka Kristina<br />

Haubeck, Benjamin<br />

Hegewald , Jan<br />

Herrmann, Axel<br />

20<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong><br />

<strong>des</strong> Studienganges Bauingenieurwesen<br />

Heumann, Gunnar<br />

Hoeft, Tina<br />

Homann, Jana<br />

Hübner, Sabine<br />

Ingles , Nadine<br />

Jahn, Kerstin<br />

Janzen , Astrid<br />

Juilfs, Jeanette<br />

Kalthoff, Benjamin<br />

Kasischke, Bernd<br />

Kayser, Claudia<br />

Kiel, Björn Christian<br />

Klein , Christian<br />

Klug , Andreas<br />

Knoche, Sandra<br />

Konermann , Eva<br />

Kopper, Christian<br />

Kraase, Daniel<br />

Krieter, Arne<br />

Krohn, Jan Philip<br />

Krüger , Svea Verena<br />

Kuhfuss, Mario<br />

Kühmstedt , Lars<br />

Leweke, Annika<br />

Litterst, Florian<br />

Lüdemann, Andreas<br />

Maniora , Andreas<br />

Martin, Andreas<br />

Meng, Zhenhua<br />

Michaelsen, Lars<br />

Mittelstaedt, Arne<br />

Much, Dagmar


Müller, Tino<br />

Nolte, Axel<br />

Oberdorf, Matthias<br />

Ohrmann, Niels<br />

Otto, Kathleen Kerstin<br />

Özcelik, Salih<br />

Pacek , Artur<br />

Plum , Robin<br />

Ratz , Anni<br />

Reimann, Sina<br />

Rohwer , Hauke<br />

Rosemeyer , Johannes<br />

Satthoff, Natascha<br />

Schaefer, Christoph<br />

Schendel, Ingo<br />

Schlotfeldt, Jan<br />

Schmidt, Cathleen<br />

Schmieder, Sven<br />

Schönherr , Martin<br />

Seidenspinner, Ralf<br />

Selke, Anna<br />

Sommerfeld , Marc<br />

Steiln, Oliver<br />

Stiem, Ruben<br />

Strauß, Markus<br />

Tanneberger, Katharina<br />

Theune, Mathias<br />

Thießen, Annegret<br />

Timpelan, Lars<br />

Unger, Christian<br />

Unterberg, Timo<br />

Vieweger, Marc<br />

Wardin , Stephan Willy<br />

Wellendorf , Jan<br />

Wiermann, Karsten<br />

Wissel, Julia<br />

21


22<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong><br />

<strong>des</strong> Studienganges Wirtschaftsingenieurwesen/Bau<br />

Ahrnken, Tanja<br />

Alschweig, Daniel<br />

Beckmann, Michael<br />

Brase, Stephan<br />

Brockamp , Christoph<br />

Brockmann, Björn<br />

Ceranic, Boban<br />

Deuter, Eike<br />

Engel, Britta<br />

Gärtner, Svenja<br />

Glawe, Glenda<br />

Hansler , Heiko<br />

Happ , Tilo Benjamin<br />

Hildner , Sebastian<br />

Hoppe , Andreas<br />

Jankowski, Alexander<br />

Köhler, Daniel<br />

Lensing, Anne Maren<br />

Martens, Sören<br />

Misczyk , Sebastian Daniel<br />

Morfeld , Jan-Stefan<br />

Ritgen , Georg<br />

Schaare , Kirsten<br />

Schlangen, Dirk<br />

Schmieder , Christoph<br />

Schulze, Fabian<br />

Stadtlander, Sven<br />

Stehr, Christian<br />

Voigt , Oliver<br />

Wehn, Timo<br />

Weinrich, Björn<br />

Zeng , Marco<br />

Zentner, Michael


Avilez , Paulina<br />

Boll, Eike Hendrik<br />

Churt, Christin<br />

Eickenscheid, Nadine<br />

Glueh, Kirsten<br />

Jansen, Ulrike<br />

Kuhnert, Dagmar<br />

Lüdtke, Stefan<br />

Breimeier, Martin<br />

Pirklbauer, Katrin<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong><br />

<strong>des</strong> Studienganges Geoökologie<br />

May, Nadine<br />

Nett, Leif<br />

Richter, Viola<br />

Scharnagel, Benedikt<br />

Schröder, Kristin-Magdalena<br />

Sternitzke, Vanessa<br />

Vollrath, Susann<br />

Wenzel, Karen<br />

Zuther, Steffen<br />

<strong>Diplomandinnen</strong> <strong>und</strong> <strong>Diplomanden</strong><br />

<strong>des</strong> Studienganges Geologie<br />

23


24<br />

Gedanken einer Absolventin<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Britta Engel<br />

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrter Herr Dekan, liebe Kommilitoninnen <strong>und</strong> Kommilitonen,<br />

liebe Eltern, sehr verehrte Gäste<br />

Ist einem der Anwesenden unwohl? Dann wäre dies die letzte Möglichkeit den Saal zu verlassen<br />

<strong>und</strong> sich ein Artest vom Arzt zu besorgen. Anderenfalls beginnt hiermit die Prüfung. Jedweder<br />

Täuschungsversuch wird mit „durchgefallen“ bewertet. So begannen für uns hier die schriftlichen<br />

Prüfungen. Viele davon fanden in diesem Raum statt. Schauen Sie sich ruhig einmal um. Denn so<br />

manches von dem, was ich im Folgenden berichten werde, hatte auch hier seinen Ursprung.<br />

Diese Rede wurde durch den Fachbereich mit der Überschrift „Gedanken einer Absolventin“<br />

betitelt. Nun, vor Ihnen steht eine Absolventin, <strong>und</strong> Ihnen meine Gedanken in den nächsten 15<br />

Minuten mitzuteilen, bereitet mir gr<strong>und</strong>sätzlich wenige Schwierigkeiten. Die Herausforderung<br />

scheint mir vielmehr darin zu liegen, aus dem zuweilen vielschichtigen <strong>und</strong> konfusen<br />

Gedankenschwarm eben jenes herauszufischen, das wie ich annehme, meine Kommilitonen <strong>und</strong><br />

Kommilitoninnen in ähnlicher Weise beschäftigt. Es handelt sich dabei wohl nicht in erster Linie<br />

um abgeschlossene oder gar wissenschaftliche Gedankenkonstrukte, wie Sie sie vielleicht von einer<br />

Hochschulabsolventin erwarten würden. Im Vordergr<strong>und</strong> steht vielmehr die Suche nach Antworten,<br />

die uns aus dem Dschungel aus Lernen, Prüfungen <strong>und</strong> der Suche nach dem geeigneten Arbeitsplatz<br />

herausführen. Wir denken dabei einerseits zurück an die Zeit, die sich nun dem Ende neigt <strong>und</strong><br />

andererseits an den neuen Lebensabschnitt, der uns erwartet. So fragen wir uns beispielsweise:<br />

� Habe ich das richtige Studium absolviert? Schließlich habe ich das Studium abgeschlossen,<br />

obwohl es immer wieder Momente gab, in denen der eine oder andere überlegt hat das<br />

Studium zu beenden. Nicht wenige haben es auch getan, aber wir haben weiter gemacht.<br />

Die Frage „abbrechen ja oder nein“ stellt sich nun nicht mehr, denn dieser Abschluss hat<br />

etwas Endgültiges.<br />

� Nun waren wir jahrelang damit beschäftigt dieses Studium zu bestehen. Aber was kommt<br />

nun? Es gibt Möglichkeiten eine andere Richtung einzuschlagen <strong>und</strong> beispielsweise ein<br />

völlig neues Studium aufzunehmen oder ein Aufbaustudium dranzuhängen. Aber nach<br />

vielen langen Nächten intensiven Lernens schließlich doch bestandenen Prüfungen wurde<br />

unsere Einstellung zielbewusster. Heute fragen wir uns: Kann ich mit diesem Studium eine<br />

Tätigkeit ausüben, die mich meinen persönlichen Zielen näher bringt?<br />

� Abgesehen von der beruflichen Ebene denken wir an die Menschen, die uns während<br />

unserer Studienjahre begleitet haben. Und wahrscheinlich ist die Frage, ob wie unsere<br />

Kommilitonen, die gerade noch neben uns in der Prüfung saßen, nach dieser Veranstaltung<br />

heute wieder sehen werden, nicht abwegig.<br />

� Ganz ohne Stress verlief der Abschluss <strong>des</strong> Studiums sicherlich bei den Wenigsten. Es<br />

blieb wenig Zeit zum Nachdenken über die Zukunft - <strong>und</strong> plötzlich ist das, was wir<br />

Zukunft nannten Gegenwart. Dass wir uns einen Arbeitsplatz suchen müssen, ist<br />

offensichtlich. Aber es drängt sich eine andere Frage auf: Beginnt nun der Ernst <strong>des</strong><br />

Lebens? Ist es vorbei mit feiern, grillen im Park, st<strong>und</strong>enlangem Teetrinken oder<br />

Spontaneität?<br />

� Solch abstrakte Fragen werden dann wieder von pragmatischen wie „Wie viel Geld muss<br />

ich oder möchte ich eigentlich verdienen?“ verdrängt. Diese Frage ist eng verknüpft mit<br />

der Frage nach dem eigenen Marktwert. Bei diesem kann subjektiv <strong>und</strong> objektiv<br />

wahrgenommener Wert weit auseinander gehen. Und dann fragen wir uns: Ich habe so<br />

viele Prüfungen bestanden. Warum zweifele ich dann immer noch an meiner fachlichen


Kompetenz? Bei uns Bauingenieuren heißt das: Bin ich tatsächlich in der Lage ein Haus,<br />

eine Brücke, eine Straße zu bauen oder die Stelle eines Bauleiters zu übernehmen?<br />

� Schließlich bleibt nur noch eine Frage: Stelle ich vielleicht zu viele Fragen <strong>und</strong> sollte<br />

einfach damit aufhören <strong>und</strong> losgehen? Wie auch immer…<br />

Wir haben es geschafft. Nach circa 5,6 oder mehr Jahren <strong>des</strong> Studierens, ca. 60 Prüfungen <strong>und</strong><br />

einigen wissenschaftlichen Arbeiten dürfen wir uns heute Diplom-Ingenieurin oder -Ingenieure<br />

bzw. Diplom-Geoökologin oder -Geoökologe nennen. Wie kam es dazu? Der Anfang war bei uns<br />

Bauingenieuren bzw. Wirtschaftsingenieuren Fachrichtung Bauwesen gleich: An einem verregneten<br />

Montagmorgen im Wintersemester war unsere erste Vorlesung „Technische Mechanik“. Spätestens<br />

nach einer halben St<strong>und</strong>e hatte auch der letzte Student aufgehört mitzuschreiben. Es waren<br />

eindeutig zu viele Formeln <strong>und</strong> Begriffe, von denen wir noch nie etwas gehört hatten. Nach 40<br />

Minuten kam dann die Erlösung: Man hatte uns hereingelegt. Der Stoff, der uns zuvor vorgebetet<br />

wurde, war für das siebte Semester gedacht. Erleichterung machte sich breit <strong>und</strong> wir gingen zu<br />

einem gemütlicheren Teil über.<br />

Nach einer Woche Schonzeit war es aber dann auch schon vorbei mit der Gemütlichkeit: Neben der<br />

Mechanik standen Mathematik, Baukonstruktion <strong>und</strong> Baustoffk<strong>und</strong>e im Vordergr<strong>und</strong>. Viele von<br />

uns verbrachten die ersten Weihnachtsferien vor dem Zeichenbrett. Dann, als im Februar die ersten<br />

Klausuren anstanden, war klar, dass hier erheblich mehr Zeit vor dem Schreibtisch <strong>und</strong> den Büchern<br />

verbracht werden muss, als wir gedacht hatten. Je<strong>des</strong> Semester stellte fortan seine eigenen<br />

Herausforderungen. Dazu passt ein Zitat von Albert Einstein: „Ich denke niemals an die Zukunft.<br />

Sie kommt früh genug.“ Wenn mich manchmal Fre<strong>und</strong>e fragten, wie dieses Studium zu schaffen ist,<br />

gibt Einsteins Zitat für mich die Antwort: Niemals das Ganze sehen, sondern nur den nächsten<br />

Schritt. Dadurch habe ich mir meine Motivation erhalten können.<br />

Nach der besagten Mechanikvorlesung an unserem ersten Tag an der Universität wurden wir durch<br />

den damaligen Dekan, Herrn Leutner, begrüßt. Aus dieser Begrüßungsrede sind zwei Dinge in<br />

meinem Gedächtnis haften geblieben. Zum einen gratulierte er uns zu der Entscheidung, in einer für<br />

Bauingenieure schwierigen Zeit auf dem Arbeitsmarkt das Studium <strong>des</strong> Bauingenieurwesens<br />

aufzunehmen. Nicht wenige von uns wurden belächelt, wenn wir in unserem Bekanntenkreis<br />

erzählten, dass wir in dieser „aussterbenden Branche“ unser Glück versuchen würden. Die<br />

Insolvenz <strong>des</strong> Holzmann-Konzerns war noch sehr präsent, <strong>und</strong> die Anzahl der Erstsemester im<br />

Wintersemester 2001 so gering wie lange nicht mehr. Doch wir gehörten dazu. Ich hörte auch so<br />

manches Mal Kommentare wie: Statik? Die macht doch heutzutage jede Software. Wozu brauchen<br />

wir da noch Bauingenieure? Was uns auf der anderen Seite wieder Mut machte, war die Theorie <strong>des</strong><br />

„Schweinezyklus“, die besagt, dass es gerade dann sinnvoll sein kann eine Studienfachrichtung zu<br />

wählen, wenn es ein Überangebot von Absolventen eben jenes Faches auf dem Arbeitsmarkt gibt –<br />

Wegen der abschreckenden Wirkung wählen nur wenige diesen Studiengang, deren Fachwissen<br />

aber einige Jahre später von den Unternehmen als gefragte Rarität geschätzt wird. Nun bin ich<br />

ehrlich gesagt sehr froh, dass letztere Theorie Recht behielt. In diesem Jahr werden wieder deutlich<br />

mehr Bauingenieure gesucht, zumal auch ein Aufschwung in der Branche insgesamt zu verzeichnen<br />

ist.<br />

Ich erzähle von diesen Begebenheiten aus einem bestimmten Gr<strong>und</strong>: Diejenigen, die sich dazu<br />

entschlossen haben, in Kriesenjahren Bauingenieurwesen zu studieren, die sind nicht nur mutig. Sie<br />

müssen von ihrem Berufswunsch auch außerordentlich überzeugt sein. Und diejenigen, die es auch<br />

noch geschafft haben dieses Studium durchzuziehen, das müssen Idealisten sein, die bereit sind, mit<br />

Engagement <strong>und</strong> Konsequenz für ihre Ziele zu kämpfen.<br />

Die zweite Sache, die mir aus der besagten Begrüßungsrede in Erinnerung geblieben ist, ist der<br />

Anforderungskatalog, den wir, wollten wir erfolgreich sein, zu erfüllen hatten. Da wären zum einen<br />

25


zu nennen: Gute Noten. Das war jedem bewusst. Zum anderen: Praxiserfahrungen. Nun gut, davon<br />

hatten wir schon einmal gehört. Bei einem Blick auf unsere mit Klausuren gefüllten Semesterferien<br />

(die bald nur noch vorlesungsfreie Zeit genannt wurden) fragten wir uns besorgt, wann wir denn<br />

diese Praxiserfahrungen überhaupt sammeln sollten. Damit aber nicht genug: Wir sollten neben<br />

dem Studium Sprachen lernen. So viele <strong>und</strong> so intensiv wie möglich. Englisch wird ohnehin<br />

vorausgesetzt. Eine weitere Selbstverständlichkeit sei es, das Studium zügig abzuschließen. Ach ja,<br />

als Fachidioten sollten wir die Universität natürlich auch nicht verlassen. Also waren wir gut<br />

beraten, wenn wir möglichst auch Kurse in anderen Fachrichtungen belegten <strong>und</strong> uns möglichst<br />

bald in einer Studenteninitiative oder der Fachschaft engagierten. Nun stellt sich heute die Frage, ob<br />

wir diesen Aufforderungen nachgekommen sind. Wir können mit Sicherheit sagen, dass nicht alle<br />

Absolventen einen Musterlebenslauf haben. Aber unweigerlich stellt sich schließt sich die Frage an,<br />

ob ein solcher Musterlebenslauf erstrebenswert ist. Diese Frage muss jeder für sich beantworten.<br />

Aber ich bin froh heute sehen zu können, dass sich in den letzten fünf Jahren ansehnliche<br />

Persönlichkeiten entwickelt haben.<br />

Das waren die Worte mit denen unser Studium begann. Wir denken nun über unser abgeschlossenes<br />

Studium nach. Darüber, wie es war, als es angefangen hat, über die Zeit <strong>des</strong> Studierens an sich,<br />

darüber, was sich in den letzten Jahren für uns verändert hat <strong>und</strong> über unsere Zukunft. Die<br />

Ausgangsvoraussetzungen waren für uns verschieden. Einige haben den Wehrdienst oder<br />

Zivildienst absolviert, einige haben eine Ausbildung gemacht, einige schon ein oder mehrere<br />

Studiengänge ausprobiert <strong>und</strong> andere kamen direkt von der Schule. Insofern sind die<br />

Voraussetzungen für den Vergleich „vorher –nachher“ unterschiedlich, <strong>und</strong> die Ergebnisse nur<br />

bedingt vergleichbar. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten:<br />

� Wir sind älter geworden<br />

� Wir haben eine bestimmte Menge an Wissen aufgenommen <strong>und</strong> zu einem nicht<br />

unwesentlichen Teil auch wieder vergessen<br />

� Wir haben neue Fre<strong>und</strong>schaften geschlossen<br />

� Wir dürfen uns ab heute Ingenieurin bzw. Ingenieur oder Geoökologin bzw. Geoökologe<br />

nennen<br />

� Wir beenden mit dem heutigen Tag einen Lebensabschnitt. Einen, der von vielen als die<br />

schönste Zeit <strong>des</strong> Lebens bezeichnet wird. Das können wir für unser Leben heute noch<br />

nicht sagen, da wir glücklicherweise noch einige Jahre vor uns haben, bevor wir eine<br />

solche Aussage treffen können. Die Studienzeit ist gekennzeichnet von einer einmaligen<br />

Freiheit. Diese Freiheit definiert sich zum Beispiel dadurch, dass wir jeden Tag aufs Neue<br />

entscheiden konnten, ob wir aufstehen <strong>und</strong> zu den Vorlesungen gehen oder doch lieber<br />

einen Tag der Müßigkeit verbringen wollen. Es ist weniger die Summe der für Freizeit zur<br />

Verfügung stehenden St<strong>und</strong>en. Denn diese Anzahl ist wahrscheinlich geringer im<br />

Arbeitsleben. Es ist viel mehr die Möglichkeit jeden Tag neu gestalten zu können. Hobbies<br />

nachgehen zu können, in verschiedenen Bereichen zu arbeiten <strong>und</strong> natürlich auch zu Feiern<br />

oder einfach das süße Leben zu genießen. Ein klassisches Beispiel ist für viele<br />

Braunschweiger Studenten der Dienstagabend. Da stellt sich die Frage, ob der<br />

wohlverdiente Feierabend in der Diskothek „Jolly Joker“ verbracht wird (was die Effizienz<br />

geistiger Übungen am folgenden Morgen etwas vermindern kann, ob man sich doch für die<br />

Vorlesung mittwochs morgens um 8 Uhr entscheidet oder, als Kompromiß, für einen<br />

Erfolgversprechenden Lerntag am Schreibtisch. Die Verantwortung für diese Entscheidung<br />

trägt allein die Studentin oder der Student, denn im Gegensatz zu früheren Zeiten in der<br />

Schule gibt es kaum äußere Zwänge durch Dozenten oder Mentoren, keine Sanktionen für<br />

versäumte Leistungen. Den fehlenden Druck von außen muß so das eigene Gewissen<br />

ersetzen. Nach eigenen moralischen Gr<strong>und</strong>sätzen zu handeln aber verlangt Willenskraft.<br />

Der Freiheit im Studium ist somit nur derjenige gewachsen, der über genügend<br />

Willenskraft verfügt, aus eigenem Antrieb heraus das Notwendige gegenüber dem<br />

Angenehmen vorzuziehen, wenn es erforderlich ist. Dieses Charakteristikum <strong>des</strong> Studiums<br />

26


epräsentiert die meiner Meinung nach höchste Stufe von Freiheit, einer Freiheit, die erst<br />

durch moralische Integrität <strong>und</strong> Willenskraft zur Freiheit wird. Von dieser Freiheit gekostet<br />

<strong>und</strong> gleichzeitig die eigenen Fähigkeiten erfahren zu haben ist für mich ausschlaggebend<br />

für folgen<strong>des</strong> Fazit: Das Studium war eine nicht immer einfache <strong>und</strong> arbeitsreiche, aber<br />

eine außerordentlich schöne Zeit!<br />

Während unseres Studiums kam in Deutschland die Diskussion über Eliteuniversitäten auf.<br />

Politiker beklagten sich über den „Brain drain“ die Abwanderung kluger Köpfe Richtung USA. In<br />

Deutschland wurde der Ruf nach Eliteuniversitäten laut. Bei meinen Auslandsaufenthalten ist mir<br />

aber eines klar geworden: Wir hier in Braunschweig haben bereits eine Eliteuniversität. Hier <strong>und</strong><br />

jetzt gehören wir immer noch zu den privilegierten Studenten. Ich rede hier nicht nur von<br />

finanziellen Mitteln, sondern insbesondere auch von dem hohen Ausbildungsniveau, welches an der<br />

TU Braunschweig geboten wird. Was nicht heißt nicht, dass es kein Verbesserungspotential gebe.<br />

Im internationalen Vergleich ist mir weiterhin bewusst geworden, daß das tatsächliche<br />

Leistungsniveau einer Universität nicht immer mit <strong>des</strong>sen Außendarstellung übereinstimmt. Dies<br />

trifft sowohl auf die Darstellung der Universitäten als auch deren Absolventen zu. Vergleicht man<br />

beispielsweise die Angaben über Sprachkenntnisse in den Bewerbungsunterlagen eines USamerikanischen<br />

<strong>und</strong> eines deutschen Absolventen, so erkennt man aufschlußreiche Unterschiede:<br />

Während der Amerikaner seine Sprachkenntnisse als „excellent“ bezeichnet, ordnet der Deutsche<br />

seine Fähigkeiten eher als „gut bis sehr gut“ ein, auch wenn sie tatsächlich auf dem selben Niveau<br />

wie die <strong>des</strong> Amerikaners befinden. Trotzdem stehen sie im Bewerbungsverfahren bei einem<br />

internationalen Konzern im direkten Vergleich. Bescheidenheit wäre hier also fehl am Platz.<br />

Nach der Zeit <strong>des</strong> Studierens ist nun die Zeit <strong>des</strong> Dankens gekommen. Unser besonderer Dank gilt<br />

der Fachschaft, den Mitarbeitern <strong>des</strong> Fachbereichs, unseren Professoren <strong>und</strong> unseren Eltern. Vielen<br />

Dank für Ihre fachliche Hilfe, finanzielle Unterstützung <strong>und</strong> für all die aufbauenden Worte.<br />

Und an alle, die heute ihr Studium abschließen: Herzlichen Glückwunsch zu eurem Diplom! Feiert<br />

<strong>und</strong> genießt das Gefühl ein großes Ziel erreicht zu haben! Für eure Zukunft wünsche ich euch alles<br />

Gute <strong>und</strong> bei der Suche <strong>und</strong> Auswahl <strong>des</strong> geeigneten Jobs ein gutes Gelingen. Bevor wir uns nun in<br />

alle Himmelsrichtungen aufmachen zu neuen Zielen freue ich mich darauf mit euch <strong>und</strong> Ihnen auf<br />

unser Diplom anzustoßen.<br />

Sehr verehrte Zuhörer. Nun schließt sich der Kreis. Was hier, in diesem Raum, begonnen hat, geht<br />

auch hier zu Ende. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.<br />

27


Preisträgerinnen <strong>und</strong> Preisträger <strong>des</strong> Jahrgangs 2006<br />

28<br />

Preis der Stiftung Duddeck<br />

für sehr gute Studienleistungen in konstruktiven Fächern<br />

Dipl.-Ing. Gunnar Heumann<br />

Dipl.-Ing. Robin Plum


Preis der Stiftung Pause<br />

für sehr gute Studienleistungen im<br />

Wirtschaftsingenieurwesen/Bau<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Alexander Jankowski<br />

29


30<br />

Alumni-Bau-Preis 2006<br />

für besonderes Engagement<br />

in der studentischen Selbstverwaltung<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Tilo Happ<br />

Dipl.-Ing. Lars Kühmstedt


Karl-Kordina-Preis 2006<br />

für eine ausgezeichnete Dissertation<br />

auf dem Gebiet <strong>des</strong> Stahlbetonbaus<br />

Dr.-Ing. Dominique Gerritzen<br />

31


32<br />

Stahlbaupreis der Salzgitter AG<br />

für herausragende Studienarbeiten auf dem Gebiet <strong>des</strong> Stahlbaus<br />

Bauingenieurwesen<br />

Dipl.-Ing. Timo Unterberg<br />

Dipl.-Ing. Oliver Steiln<br />

Architekten<br />

Alexander Ruhnke


Straßenbaupreis der Eurovia AG<br />

für eine ausgezeichnete Dissertation im Bereich der<br />

Asphalttechnologie<br />

Dr.-Ing. Lars Aschenbrenner<br />

33


34<br />

Buchpreis der Ingenieurkammer Niedersachsen<br />

für sehr gute Studienleistungen<br />

Preisverleihung durch Herrn Dipl.-Ing. Frank Puller,<br />

Vizepräsident der Ingenieurkammer Niedersachsen<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Tanja Ahrnken<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Björn Brockmann<br />

Dipl.-Ing. Andreas Diekmann<br />

Dipl.-Ing. Susanne Dzick<br />

Dipl.-Ing. Christoph Hall<br />

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Anne Maren Lensing<br />

Dipl.-Ing. Annika Leweke<br />

Dipl.-Ing. Tino Müller<br />

Dipl.-Ing. Matthias Oberdorf<br />

Dipl.-Ing. Timo Unterberg


Danksagungen<br />

Musikalische Umrahmung<br />

Unser Dank gilt nochmals dem Quintett aus Mitgliedern <strong>des</strong> TU BRASS<br />

Trompete: Jens Röder, Heiko Turner<br />

Horn: Matthias Mende<br />

Posaune: Henning Mainz<br />

Tuba / Bassposaune: Matthias Glück<br />

Musikalische Eröffnung<br />

Where'er you walk<br />

(Georg Friedrich Händel)<br />

Musikalisches Intermezzo<br />

Allegro aus Three Episo<strong>des</strong><br />

for Brass Quintett<br />

(Alan Harniess)<br />

Musikalischer Ausklang<br />

Kraken<br />

aus Four Brass Cats<br />

Chris Hazell<br />

35


36<br />

Unsere alten <strong>und</strong> neuen Sponsoren<br />

Braunschweigischer Hochschulb<strong>und</strong><br />

Salzgitter AG<br />

Ingenieurkammer<br />

Niedersachsen<br />

Hochtief AG<br />

MLP Private Finance<br />

B<strong>und</strong> Deutscher Baumeister,<br />

Architekten <strong>und</strong> Ingenieure


Unsere zahlreichen Helfer<br />

Ein besonderes Dankeschön geht an die vielen Helfer,<br />

ohne die unsere Absolventenfeier nicht möglich gewesen wäre:<br />

unser Organisationsteam:<br />

Ina Müller<br />

Petra Hansmann<br />

Susann Pößel<br />

Heike Müller-Nanke<br />

Karin Felgentreu<br />

Jan-Philipp Höft<br />

Helge Müller<br />

Ansgar Nanke<br />

Fabian Wichmann<br />

37


Postanschrift<br />

38<br />

Informationen zu der Fakultät Architektur,<br />

Bauingenieurwesen <strong>und</strong> Umweltwissenschaften<br />

<strong>und</strong> zu dem Ehemaligenverein<br />

Alumni-Bau Carolo-Wilhelmina e.V.<br />

Technische Universität Braunschweig<br />

Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen <strong>und</strong> Umweltwissenschaften<br />

Pockelsstraße 4<br />

38106 Braunschweig<br />

Telekommunikation<br />

Fon +49 (0) 531 / 391 2310<br />

Fax +49 (0) 531 / 391 8204<br />

E-Mail abu@tu-braunschweig.de<br />

Internet www.tu-braunschweig.de/abu<br />

Dekanat<br />

Dekan: Prof. Dr.-Ing. Dieter Dinkler (0531 / 391 3667)<br />

Studiendekan Bau: Prof. Dr.-Ing. Harald Budelmann (0531 / 391 5405)<br />

Studiendekan Geo: Prof. Dr. Walter Pohl (0531 / 391 7240)<br />

Dekanatsassistentin: Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ina Müller (0531 / 391 2310)<br />

Dekanatssekretärin: Petra Hansmann (0531 / 391 5566)<br />

Dekanatssekretärin: Susann Pößel (0531 / 391 2311)<br />

Alumni-Bau Carolo-Wilhelmina e.V.<br />

Vorsitzender: Prof. Dr.-Ing. Dieter Dinkler<br />

Stellv. Vorsitzender: Dipl.-Ing. Frank Puller<br />

Vorstandsmitglieder: Prof. Dr.-Ing. Dietmar Hosser<br />

Dr.-Ing. Holger Lorenzl<br />

cand. ing. Marco Schauer<br />

Geschäftsführerin: Dipl.-Wirtsch.-Ing. Ina Müller<br />

Internet www.alumni-bau.de

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