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Altstadtsanierung am "Pelô"

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Zus<strong>am</strong>menfassung<br />

Machthabern mittels der Anwendung autoritärer Herrschaftsinstrumente die Gefahren zu<br />

kontrollieren, die die Beibehaltung des Status Quo, die extreme vertikale gesellschaftliche<br />

Differenzierung, mit sich bringt. Gleichzeitig wird aufgrund des autoritären Charakters des<br />

politischen Systems die Entwicklung einer demokratischen politischen Kultur, die sich u.a.<br />

durch aktive Partizipation der der Herrschaft Unterworfenen <strong>am</strong> politischen Prozeß auszeich-<br />

net, und die auch das Potential lokaler Interessenorganisation in der historischen Altstadt<br />

wesentlich verstärken würde, behindert. Die Herausbildung eines demokratischen politischen<br />

Bewußtseins erfordert wenigstens ein Minimum an demokratischer Verhandlungsbereitschaft<br />

seitens der politischen Machthaber. Diese Bereitschaft ist im Untersuchungsgebiet nicht<br />

gegeben. Die tradierten Einstellungsmuster, die sich in der kontinuierlichen politischen<br />

Bevormundung der Bevölkerung durch eine kleine politische und gesellschaftliche Elite<br />

herausbildeten, und die auch im demokratischen Bahia das Verhalten der Bevölkerung<br />

gegenüber ihrer politischen Ordnung wesentlich bestimmen, werden aufgrund des "Autori-<br />

tarismus in der Demokratie" reproduziert, da sich aus der Perspektive der Bevölkerung die<br />

demokratische "Neue Republik" kaum von den autoritären Regimen der Vergangenheit unter-<br />

scheidet. Die Gefahr, die eine politisch aktive Bevölkerung für die elitäre Natur des politi-<br />

schen Systems und den Status Quo der gegenwärtigen Macht- und Besitzverhältnisse darstellt,<br />

wird so relativiert. So bleibt die lokale Bevölkerung, trotz der extremen sozialen und phäno-<br />

typischen Ungleichheiten und trotz der realen Bedrohung, bei Vertreibung aus dem histori-<br />

schen Stadtzentrum alles zu verlieren, ganz im Sinne der politischen Eliten ein abschätzbarer,<br />

politisch weitgehend passiver Gefahrenfaktor, der sich auch in der "Demokratie" mit autoritä-<br />

ren Herrschaftsinstrumenten ohne nennenswerten Widerstand kontrollieren läßt.<br />

Die alteingesessene Bevölkerung wird sowohl aus der politischen Ebene als auch aus dem<br />

sozialen System des Stadtviertels ausgegrenzt, ohne daß ihr zum Ausgleich nennenswerte<br />

integrative "Schlupflöcher" zur Verfügung gestellt werden. Dies führt bei den Betroffen zu<br />

einer permanenten "Ausgrenzungsfrustration", der sozialpsychologischen Grundlage für einen<br />

Ausbruch des Konfliktpotentials. Gesellschaftliche Institutionen der sozialen Integration, z.B.<br />

die Institution der F<strong>am</strong>ilie, können die Frustration über die soziale und politische Ausgren-<br />

zung in einem bestimmten Maße kompensieren. Wenn die F<strong>am</strong>ilie nicht ausreicht, um die<br />

Spannungen abzubauen, und die Gesellschaft nur begrenzt weitere Institutionen zur sozialen<br />

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