09.12.2012 Aufrufe

zur theorie des pflegehandelns - E-LIB - Universität Bremen

zur theorie des pflegehandelns - E-LIB - Universität Bremen

zur theorie des pflegehandelns - E-LIB - Universität Bremen

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

Kapitel 3<br />

ausdruck. Er besteht in unmittelbarem Handeln. Dieses ist zunächst ein größtenteils isoliertes Handeln, <strong>des</strong>sen<br />

Ergebnis keinen anhaltenden Wert hat. Der künstlerische Impuls <strong>des</strong> Kin<strong>des</strong> kann nach Mead nur gezielt weiterentwickelt<br />

werden, wenn die Beziehungen, die zwischen dem künstlerischen und den anderen kindlichen Impulsen<br />

bestehen, erkannt werden. Bei der Erziehung sollte die Betonung auf diese Beziehung gelegt werden, indem<br />

die unmittelbare Beziehung zwischen der künstlerischen Handlung und anderen kindlichen Handlungen durch<br />

das Anschaulichmachen <strong>des</strong> sog. geistigen Bil<strong>des</strong> aufgezeigt werden. Erst so kann das Produkt der künstlerischen<br />

Aktivität (z.B. ein Bild) im kindlichen Bewusstsein zu einem Stimulus für nachfolgende Aktivitäten werden<br />

und auf diese Weise das produktive Handeln kontrollieren. Dieses ist mit der künstlerischen Aktivität verbunden,<br />

nicht mit dem Produkt (s. Deegan 2001b: 6).<br />

Die Bedeutung <strong>des</strong> Spiels für die Entwicklung allgemeiner, aber auch spezifischer Handlungskompetenzen kann<br />

offensichtlich nicht hoch genug angesetzt werden. Eine für die Pflege wichtige Kompetenz besteht in der Fähigkeit,<br />

Beziehungen herzustellen. Am Spiel illustriert Mead, wie das Kind über das Spiel lernt, seine zunächst losgelösten,<br />

isolierten Handlungen mittels objektiver Stimuli immer mehr mit den Lebensaktivitäten der Erwachsenen<br />

in Verbindung zu bringen, d.h. Beziehungen herzustellen. Über das Spiel und über den Gebrauch von Spielzeug<br />

(seine Hände, die Rassel, das Auto, die Puppe etc.) gewinnt das Kind immer mehr Kontrolle über sein eigenes<br />

Tun. Im Laufe der Zeit entwickelt sich das Interesse <strong>des</strong> Kin<strong>des</strong>, seine diversen Spielzeuge nur aus Freude<br />

zu benutzen, weiter bis zu dem Gefühl, dass damit eine wertvolle zu nutzende Technik bzw. Methode einhergeht.<br />

Aus dem Begreifen seiner Fähigkeit und der Position, die diese ihm verleiht, folgt das Erkennen sozialer<br />

Beziehungen, die das Begreifen ermöglichen. Das kindliche Gefühl der Zuneigung für seine Eltern oder Spielgefährten<br />

kann so lange nicht <strong>zur</strong> Entwicklung einer solchen Technik führen, bis es in der Technik die neue Beziehung<br />

fühlt, auf der diese gründet. Es ist uns unmöglich, emotional eine soziale Beziehung zu bewerten, solange<br />

nicht schon durch unser Handeln in unserem Bewusstsein eine Beziehung hergestellt worden ist. Das Gefühl<br />

folgt aus dem Erkennen bzw. Wiedererkennen einer Situation (Mead 2001b: 28). Keine noch so starke Betonung<br />

der Liebe zu seinen Eltern, von der das Kind abhängt, kann die Technik entwickeln, durch die der Mensch seinen<br />

unabhängigen Platz in der Gesellschaft einnimmt. Unsere Beziehungen zu anderen werden bestimmt durch das,<br />

was wir tun und was wir können. Die Impulse <strong>zur</strong> Entwicklung dieser Kapazitäten, müssen auf objektive Stimuli<br />

reagieren, die erstere hervorgerufen haben, und ihre Beziehung zu anderen Handlungen, die zusammengenommen<br />

schließlich die Techniken <strong>des</strong> voll entwickelten Menschen ausmachen, müssen erkannt werden, bevor<br />

wir die Emotionen fühlen können, die unsere Bewertungen dieser Handlungen sind. Das Gefühl folgt einer<br />

Handlung und nicht umgekehrt. Dies zeigt, dass uns unsere objektive Welt in Begriffen unserer Handlungen bekannt<br />

ist. Die notwendige Schlussfolgerung hieraus ist, dass wir die uns bekannte Welt durch das Finden von<br />

Stimuli um weitere Handlungsmöglichkeiten vergrößern. Nur so können wir den Wert der größeren Welt in unserem<br />

emotionalen Zustand erkennen. Mit anderen Worten: Wir müssen zuerst in einem gewissen Sinn die intellektuelle<br />

Bedeutung <strong>des</strong>sen spüren, was einen emotionalen Wert hat. Mead (2001b: 29) betont immer wieder,<br />

dass das Kind nach und nach lernen muss, Beziehungen herzustellen. Ein anderer Aspekt betrifft die kindliche<br />

Vorstellungskraft. Die scheinbar willkürlichen Bewegungen in der kindlichen Vorstellungskraft sind nichts anderes<br />

als der innere Ausdruck seiner isolierten Handlungen und sein instinktives Tasten nach Verbindungen zwischen<br />

ihnen, während das Gehirn und der Körper sich entwickeln. Hier kommt den Eltern und dem Kindergarten<br />

eine wichtige Rolle bei der Organisation der kindlichen Umwelt zu, indem sie diese entsprechend gestalten. Dieser<br />

Aspekt ist mit Blick auf die Gestaltung pflegerischer Situationen äußerst wichtig.<br />

Bezogen auf die Entwicklung einer pflegerischen Handlungskompetenz ist das Spiel offensichtlich eine wichtige<br />

Handlungsform, da hier die Basis für die Entwicklung dieser Kompetenz gelegt wird. Deegan (2001b: lixf) verweist<br />

mit Blick auf die allgemeine Entwicklung <strong>des</strong> Kin<strong>des</strong>, dass Verspieltheit, Imitation und die vorbereitende<br />

Symbolisierung nicht nur erforderlich sind für die Entwicklung von Kindern, sondern auch für die Entwicklung<br />

der Eltern. Kinder sind erforderlich, um die elterliche Haltung in den Erwachsenen auszulösen. Ein Zyklus, der<br />

94

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!