Zu Ernst Jünger - gesamtausgabe

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13.07.2015 Aufrufe

232 IL Teil: Aussprache aber Ernst JangerAlso treibt alles in den Untergang - nein sondern in die Entscheidungund zwar eine einzige - die wir kaum ahnen, weil ihreEinzigartigkeit uns noch fremd ist, fremd - nicht gänzlich verhülltund entzogen. Das Zeichen der Befremdung meldet sich indem vielvermerkten »Seltsamen

235[Vorüberlegung}Wir möchten hier etwas sehr Einfaches versuchen: Zusammen inSchriften zu lesen, die ein unmittelbarer Anstoß zur Besinnungsein können.Und wir möchten dabei ein doppeltes vermeiden: die bloß gelehrtenund schulmäßigen Erörterungen abgelegener Begriffe,aber auch die ungebundene Unterhaltung über nur Öffentlichesund Zeitgemäßes.Die Absicht des echten und besinnlichen Lesens in wesentlichenBüchern kann immer nur darauf zielen, in die Nähe dessenzu kommen, was nicht in den Büchern steht und niemals inBüchern stehen kann.Wichtiger als die Sauberkeit der Begriffe und die Sicherheitder strengen Innehaltung der jeweiligen Besinnungsebene bleibtder ursprüngliche und erfahrene Bezug zu dem, was da begriffensein will, das zeigt freilich wiederum an, daß der echte Begriffdoch ein anderes ist denn ein bloßes, je nach Belieben auswechselbaresund vom »Begriffenen« ablösbares Greifwerkzeug desabstrakten Denkens. Der philosophische Begriff ist stets Inbegriff,sofern er den Denkenden einbegreift und dadurch angreiftund sein Da-sein fordert. Daher glückt dieses Lesen und die Aussprachenur, wenn wir aus größtmöglicher Unmittelbarkeit fragen,Bedenken sagen, Antworten versuchen und das Vorhabenvon den verschiedensten Seiten her in Fahrt bringen.Bei dieser Fahrt möchte ich höchstens die Rolle eines Steuermannsübernehmen, der den Kurs ins Ungefähre einzuhaltensucht. Der Kapitän des Fahrzeugs, das wir selbst sind, ist aber dasGeheimnis der Geschichte, die auf uns zukommt.Vielleicht kann unser Vorhaben an Deutlichkeit gewinnen undvielleicht können schon einige Fragen sich einstellen, wenn zuvorEiniges über Jünger selbst gesagt wird. Die Bemerkungen sindnicht »biographisch« gemeint. Denn im Zeitalter der rücksichtslosenöffentlichen Zurechtmachung alles menschlichen Leistensund Nichtleistens durch Zeitung, Rundfunk und Lichtbild, wird

232 IL Teil: Aussprache aber <strong>Ernst</strong> JangerAlso treibt alles in den Untergang - nein sondern in die Entscheidungund zwar eine einzige - die wir kaum ahnen, weil ihreEinzigartigkeit uns noch fremd ist, fremd - nicht gänzlich verhülltund entzogen. Das Zeichen der Befremdung meldet sich indem vielvermerkten »Seltsamen

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