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Lausitzer Braunkohlenrevier<br />

Wandlungen<br />

und Perspektiven<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Lausitzer Revier<br />

B96<br />

B87<br />

B320<br />

B168<br />

B102<br />

A13<br />

B97<br />

Spree<br />

B97n<br />

B87<br />

B96<br />

B115<br />

B112<br />

A15<br />

B122<br />

Kleine Elster<br />

B169<br />

B97<br />

B115<br />

B101<br />

B96<br />

Neiße Neiße<br />

B156<br />

B156<br />

B169<br />

Schwarze Elster<br />

Spree<br />

B115<br />

B96<br />

A13<br />

Weißer Schöps<br />

B169<br />

B101<br />

B97<br />

Schwarzer Schöps<br />

Schwarze Elster<br />

B96<br />

B156<br />

Kleine Spree<br />

Pulsnitz Pulsnitz<br />

Elbe<br />

B98


Greifenhain/Gräbendorf<br />

Landschaften und Industriestandorte im Wan<strong>de</strong>l<br />

Mit dieser Broschüre möchte unser Unternehmen mehr<br />

als 70 Jahre Bergbaugeschichte im ehemaligen Tagebauraum<br />

Greifenhain/Gräbendorf dokumentieren und <strong>de</strong>n<br />

allmählichen Landschaftswan<strong>de</strong>l in diesem Raum sichtbar<br />

machen.<br />

Besucher dieses Gebietes fin<strong>de</strong>n hier und heute einen<br />

Ort vor, <strong>de</strong>r seine I<strong>de</strong>ntität als Bergbaurevier nach wie<br />

vor offen zeigt. Dennoch kann sich kaum jemand, <strong>de</strong>r<br />

die wechselvolle Geschichte dieser Region nicht miterlebt<br />

hat, vorstellen, wie es hier vor <strong>de</strong>m Bergbau o<strong>de</strong>r<br />

zu Zeiten <strong>de</strong>s aktiven Bergbaus ausgesehen hat. Wir<br />

möchten Ihnen die spannen<strong>de</strong> Geschichte <strong>de</strong>s Raumes<br />

Greifenhain/Gräbendorf zeigen, die von <strong>de</strong>n großen<br />

Leistungen <strong>de</strong>r Menschen <strong>de</strong>r Region zeugt. Durch ihren<br />

Fleiß und Einsatz wur<strong>de</strong>, verbun<strong>de</strong>n mit einem großen<br />

technischen Aufwand, die Landschaft während <strong>de</strong>s Bergbaus<br />

und danach gravierend verän<strong>de</strong>rt.<br />

Heute zeigt sich die Bergbaufolgelandschaft als lebenswerter<br />

und perspektivreicher Raum.<br />

Ein herzliches Glückauf!<br />

Dr.-Ing. Mahmut Kuyumcu<br />

Vorsitzen<strong>de</strong>r <strong>de</strong>r Geschäftsführung <strong>de</strong>r LMBV<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

1


GESTERN<br />

Auftakt zum Bergbau<br />

Landwirtschaftsfläche bei Senftenberg<br />

vor <strong>de</strong>m Tagebau, um 1934<br />

Am 24. Oktober <strong>de</strong>s Jahres 1934 fand im Saal <strong>de</strong>s Senftenberger Rathauses eine<br />

Besprechung über <strong>de</strong>n Neuaufschluss <strong>de</strong>s Tagebaus Greifenhain statt. Kurz<br />

darauf wur<strong>de</strong>n durch die „Anhaltinischen Kohlewerke“ die Genehmigungsanträge<br />

für dieses Vorhaben eingereicht. 1935 lag bereits <strong>de</strong>r Betriebsplan<br />

für die Aufschlussarbeiten vor.<br />

Dies war <strong>de</strong>r Auftakt <strong>de</strong>r heute noch andauern<strong>de</strong>n mehr als 70-jährigen<br />

Bergbautätigkeit, die gegenwärtig durch die Sanierung und Wie<strong>de</strong>rnutzbarmachung<br />

ihren Abschluss fin<strong>de</strong>t. Die Landschaft im Sü<strong>de</strong>n Bran<strong>de</strong>nburgs<br />

zwischen Calau und Großräschen hat sich gravierend gewan<strong>de</strong>lt. Im Zeitraum<br />

zwischen 1936 und 1994 wur<strong>de</strong>n in <strong>de</strong>n bei<strong>de</strong>n Tagebauen Greifenhain und<br />

Gräbendorf ca. 330 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut und in <strong>de</strong>n Kraftwerken<br />

Lübbenau, Vetschau, Jänschwal<strong>de</strong>, Brieske und Freienhufen verstromt<br />

bzw. in verschie<strong>de</strong>nen Brikettfabriken zu hochwertigen Lausitzer Briketts vere<strong>de</strong>lt.<br />

Auf einer Fläche, die mit mehr als 50 km² größer als die heutige Stadt Cottbus<br />

ist, mussten Dörfer, Wäl<strong>de</strong>r, Ackerflächen, sowie Bäche und kleinere Seen <strong>de</strong>m<br />

Tagebau weichen.<br />

Aktiver Tagebau Greifenhain, 1959<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

3


Von <strong>de</strong>r Landwirtschaft zum Bergbau<br />

Bevor die Kohle in <strong>de</strong>n Mittelpunkt <strong>de</strong>s Interesses geriet, war <strong>de</strong>r Raum Greifenhain/Gräbendorf in die<br />

typische Nie<strong>de</strong>rlausitzer Hei<strong>de</strong>- und Teichlandschaft eingebettet. Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei- und<br />

Forstwirtschaft prägten die Region und die Menschen.<br />

Dort, wo heute <strong>de</strong>r Gräbendorfer See entstan<strong>de</strong>n ist,<br />

befan<strong>de</strong>n sich schon vor <strong>de</strong>r Zeit <strong>de</strong>s aktiven Bergbaus<br />

zwei Gewässer – <strong>de</strong>r Lug- und <strong>de</strong>r Wergteich. Durch die<br />

oberflächennahen Grundwasserstän<strong>de</strong> mussten früher<br />

zahlreiche Entwässerungsmaßnahmen zu Gunsten <strong>de</strong>r<br />

Landwirtschaft durchgeführt wer<strong>de</strong>n. Die heutigen<br />

Gräben und Fließe stammen häufig aus dieser Epoche,<br />

auch wenn sie nun teilweise einen an<strong>de</strong>ren Verlauf haben.<br />

Der Raum war durch die Landwirtschaft vor allem rund<br />

um die damaligen Ortslagen geprägt. Die Menschen<br />

gingen hauptsächlich bäuerlichen Berufen nach. Auch in<br />

<strong>de</strong>r Fischerei- und Forstwirtschaft, in Ziegeleien sowie<br />

im hier typischen Flachsanbau und seiner Verarbeitung<br />

waren viele Menschen tätig. Erst mit <strong>de</strong>r Braunkohle<br />

kam die Industrie in die Region.<br />

Wirtschaftsmotor Braunkohle<br />

Der Braunkohlenbergbau hat in <strong>de</strong>r Lausitz eine lange<br />

Tradition. Die Braunkohle als wichtigster Energieträger<br />

<strong>de</strong>r DDR bestimmte in maßgeblichem Umfang das<br />

Leben <strong>de</strong>r Menschen. Die Tagebaue Greifenhain und<br />

Gräbendorf leisteten insbeson<strong>de</strong>re aufgrund <strong>de</strong>r Entwicklung<br />

und Anwendung mo<strong>de</strong>rner Technologien einen<br />

wichtigen Beitrag für die Weiterentwicklung <strong>de</strong>s Braunkohlenbergbaus.<br />

Der Abbau von Braunkohle im Tagebau ist immer mit<br />

einem großen Flächenbedarf verbun<strong>de</strong>n. Um Lagerstätten<br />

möglichst vollständig abbauen zu können, wur<strong>de</strong>n Dörfer<br />

umgesie<strong>de</strong>lt und Landschaften überbaggert.<br />

Gleichzeitig war <strong>de</strong>r Braunkohlenbergbau in <strong>de</strong>r Lausitz<br />

<strong>de</strong>r wichtigste Arbeitgeber, <strong>de</strong>r tausen<strong>de</strong>n Menschen<br />

in <strong>de</strong>r Region Arbeit gab.<br />

Über Jahrzehnte gehörten das Quietschen und Rattern<br />

von Baggern und Bän<strong>de</strong>rn, das Abgraben und Verkippen<br />

von Erdmassen und <strong>de</strong>r Geruch von Kohle in <strong>de</strong>r Luft<br />

zum Alltag <strong>de</strong>r Menschen.<br />

Berg- und Maschinenmänner –<br />

ein knochenharter Job<br />

Der Braunkohlenbergbau ist geprägt durch <strong>de</strong>n Einsatz<br />

von Großgeräten mit teilweise gigantischen Ausmaßen<br />

und die Menschen, die diese Technik entwickeln und<br />

einsetzen.<br />

Das Leben und Arbeiten war mehr als 70 Jahre fast<br />

vollständig auf die Braunkohle ausgerichtet. Die Arbeit<br />

<strong>de</strong>r Bergleute war schwer und kräftezehrend. Die<br />

Riesenmaschinen, die Züge, die För<strong>de</strong>rbän<strong>de</strong>r – alles<br />

musste rund um die Uhr laufen. Stillstehen durften die<br />

Bagger nie. Die Kohleindustrie erfor<strong>de</strong>rte Arbeit bei Tag<br />

und Nacht im Schichtsystem.<br />

Weibliche Stärke im Revier<br />

Trotz <strong>de</strong>r schweren körperlichen Arbeit im Tagebau<br />

arbeiteten hier nicht nur Männer. Ob im Leitstand <strong>de</strong>s<br />

Baggers, in <strong>de</strong>n Stellwerken und <strong>de</strong>n großen Elektroloks,<br />

in <strong>de</strong>n vielen Werkstätten und nicht zuletzt in <strong>de</strong>n Forschungsbüros<br />

– überall stan<strong>de</strong>n Frauen ihren „Mann“.<br />

Sie übten ihren Beruf mit Lei<strong>de</strong>nschaft aus und behaupteten<br />

sich in <strong>de</strong>r rauen Bergarbeiterwelt unter Männern.<br />

Frauen bei <strong>de</strong>r Arbeit im Tagebau Greifenhain<br />

„Maschinenmänner“ bei <strong>de</strong>r Wartung eines Getriebes, 1955<br />

4<br />

Greifenhain/Gräbendorf


SRs 6300-Gerätekomplex mit<br />

Schaufelradbagger, 1984<br />

5


1935<br />

Der Tagebau Greifenhain – sechs Jahrzehnte Bergbau<br />

Der Tagebau Greifenhain wur<strong>de</strong> bereits im Jahr 1936,<br />

also rund 43 Jahre vor seinem Nachbarn Gräbendorf,<br />

aufgeschlossen. Sechs Jahrzehnte lang wur<strong>de</strong> hier<br />

Braunkohle geför<strong>de</strong>rt. Seine markante Form<br />

erhielt er durch die Drehungen, die <strong>de</strong>r Abbaubetrieb<br />

um die Drehpunkte vollführt hat.<br />

Der Tagebau Greifenhain war nach 1949 <strong>de</strong>r mo<strong>de</strong>rnste<br />

Tagebau <strong>de</strong>r DDR und diente seit 1936 <strong>de</strong>n „Anhaltinischen<br />

Kohlewerken“ als Ersatz für die Brückentagebaue <strong>de</strong>r<br />

Lausitz. Das Tagebaufeld Greifenhain war insgesamt ca.<br />

50 Quadratkilometer groß, davon wur<strong>de</strong>n aber nur 22 Quadratkilometer<br />

ausgekohlt.<br />

Begonnen wur<strong>de</strong> nördlich <strong>de</strong>s Ortes Greifenhain. Der Abraum<br />

wur<strong>de</strong> zunächst auf die Außenkippe Ilmersdorf verbracht,<br />

später wur<strong>de</strong> <strong>de</strong>r Abraum im Tagebau auf Pflugkippen<br />

verkippt. Über die Drehpunkte Greifenhain, Göritz und<br />

Pritzen entstand die eigentümliche Form <strong>de</strong>s Tagebaus.<br />

Abraum und Kohle wur<strong>de</strong>n im Zugbetrieb abtransportiert.<br />

Der erste Kohlezug fuhr 1937 zur Brikettfabrik Marie II in<br />

Großräschen.<br />

Die Entwässerungsarbeiten erfolgten zunächst durch<br />

Untertageentwässerung, später durch Filterbrunnen und<br />

Unterwasserpumpen, damals eine technische Neuerung.<br />

Ab 1976 wur<strong>de</strong> <strong>de</strong>r Abraumbetrieb auf Bandbetrieb<br />

umgestellt. In Kombination mit mo<strong>de</strong>rnsten Gewinnungsgeräten<br />

und Absetzern für <strong>de</strong>n Abraum wur<strong>de</strong> eine<br />

beträchtliche Leistungssteigerung erreicht. Die Großgerätekombination<br />

aus Schaufelradbagger SRs 6300,<br />

2,5 Meter breiter Bandanlage und Absetzer A ² Rs-B<br />

15400, die ab 1979 erstmals in <strong>de</strong>r Lausitz zum Einsatz<br />

kam, erreichte im Jahr 1984 eine Leistung von 41 Millionen<br />

Kubikmetern Abraum.<br />

Muckwar<br />

Altdöbern<br />

1983<br />

1984<br />

1985<br />

Heimat eines Riesen<br />

1982<br />

1986<br />

1990<br />

1991<br />

1992<br />

1981<br />

Tagebau<br />

Greifenhain<br />

1935-1994<br />

1987<br />

1988<br />

Red<strong>de</strong>rn<br />

Der Eimerkettenbagger D 1400 <strong>de</strong>r Firma Krupp war bei<br />

seinem erstmaligen Einsatz 1936 <strong>de</strong>r Hauptaufschlussbagger<br />

und das größte und mo<strong>de</strong>rnste Gewinnungsgerät<br />

<strong>de</strong>r damaligen Zeit. Er bil<strong>de</strong>te <strong>de</strong>n Vorläufer <strong>de</strong>r heutigen<br />

Abraumför<strong>de</strong>rbrückenbagger.<br />

Mit seiner 65 Meter langen Haupteimerleiter konnte er bis<br />

zu einer Tiefe von 38 Metern baggern. Die 1.400 Liter<br />

fassen<strong>de</strong>n Eimer wur<strong>de</strong>n in die 25-m³-Wagen <strong>de</strong>s Abraumzuges<br />

entla<strong>de</strong>n. Das kontinuierliche Rücken <strong>de</strong>r Gleise<br />

erfolgte durch <strong>de</strong>n Bagger selbst. Zusätzlich besaß er eine<br />

sechs Meter lange Hochbaggerleiter zum Planieren <strong>de</strong>r<br />

1980<br />

1979<br />

Pritzen<br />

1978<br />

1974<br />

1977<br />

1972<br />

Tagesanlagen<br />

Greifenhain<br />

1989<br />

1971<br />

Tagesanlagen<br />

Göritz<br />

1976<br />

1975<br />

1967-1970<br />

1965<br />

1966<br />

1958<br />

1959<br />

1964<br />

1960<br />

1957<br />

1956<br />

1961<br />

Casel<br />

1955<br />

1963<br />

1962<br />

1954<br />

1953<br />

Hauptwerkstatt<br />

Greifenhain<br />

Ressen<br />

1937<br />

1938<br />

1952<br />

1948<br />

Greifenhain<br />

1940<br />

1939<br />

1951<br />

1941<br />

1943<br />

1942<br />

1950<br />

Außenhal<strong>de</strong><br />

Illmersdorf<br />

1946<br />

1945<br />

1944<br />

Neupetershain-Nord<br />

Tagebaugebiet Greifenhain<br />

Beginn: 1935<br />

Landinanspruchnahme: 3.110 ha<br />

Rohkohlenför<strong>de</strong>rung: 298,5 Mio. t<br />

Abraumbewegung: 1.415,6 Mio. m³<br />

Beendigung: 1994<br />

Tagebau Greifenhain<br />

Landwirtschaftsfläche<br />

Wald<br />

Grünfläche<br />

Sukzessionsfläche<br />

Wasser<br />

Gewerbliche Baufläche<br />

Verkehrsfläche<br />

Wohnen<br />

Eisenbahnverkehrsfläche<br />

Eisenbahn<br />

Drehpunkt<br />

Arbeitsebene. Der Abraum wur<strong>de</strong> im Zugbetrieb mit<br />

E-Loks und auf Schmalspurgleisen (900 mm) transportiert.<br />

Der Bagger stützte sich auf 128 Rä<strong>de</strong>r, von <strong>de</strong>nen 40<br />

durch Motoren angetrieben wur<strong>de</strong>n. 2.500 PS waren<br />

notwendig, um <strong>de</strong>n Bagger zu bewegen. Der Riese<br />

kostete bei seiner Anschaffung über eine Million Reichsmark,<br />

damals eine enorme Summe.<br />

Der Großbagger war insgesamt mehr als 30 Jahre im<br />

Einsatz. Erst 1968 wur<strong>de</strong> er außer Betrieb genommen und<br />

verschrottet.<br />

6 Greifenhain/Gräbendorf


Grubenbetrieb im Tagebau Greifenhain, 1982<br />

Eingesetzte Großgeräte Greifenhain<br />

Typ Geräte - Nr. Bemerkung<br />

Abraumbetrieb<br />

Eimerkettenbagger D 1400 ab 1936,<br />

Verschrottung 1968<br />

Absetzer As 1120 1031 ab 1970<br />

Eimerkettenbagger Es 3150 1290 Verschrottung 1996<br />

Absetzer A ² Rs-B 12500 1096 von Tgb. Jänschwal<strong>de</strong>,<br />

Verschr.2004<br />

Schaufelradbagger SRs 6300 1510 Neubau, 1993 nach<br />

Tgb. Nochten<br />

Absetzer A ² Rs-B 15400 1102 Neubau, 1993 nach<br />

Tgb. Nochten<br />

Schaufelradbagger SRs 2000 1557 1993 nach<br />

Tgb. Welzow<br />

Absetzer As450 Verschrottung 1956<br />

Eimerkettenbagger Es 1120/650 ab 1971 nach Cottbus-Nord<br />

Kohlenför<strong>de</strong>rung<br />

Schaufelradbagger SchRs 315 89 ab 1938, Verschr.1982<br />

Elektro-Raupen-<br />

Eimerkettenbagger R 115 221 ab 1939, Verschr.1958<br />

Schaufelradbagger SRs 500 90 ab 1948 von<br />

Tgb. Finkenheerd<br />

Eimerkettenbagger R 150 228 ab 1948 von Tgb.<br />

Meurostolln,<br />

Verschr. 1958<br />

Eimerkettenbagger Rs 400 257 ab 1958 von<br />

Tgb. Finkenheerd<br />

Schaufelradbagger SRs 1300 1508, 1509 Verschrottung 1999<br />

Eimerkettenbagger ERs 710 346, 347 Verschrottung 2000<br />

Bandwagen BRs 1400 715, 717 Verschrottung 2000<br />

Bandwagen BRs 1400 718, 737 Verschrottung 2000<br />

Bandanlage <strong>de</strong>r<br />

Fa. Kopex 2 m Bandbreite Verschrottung/Verkauf<br />

im Rahmen <strong>de</strong>r<br />

Sanierung<br />

Grabenbunker<br />

Absetzer AsG 8800 1803 ab 1979<br />

Eimerkettenbagger EG 1120 628 Verschrottung im<br />

Rahmen <strong>de</strong>r Sanierung<br />

7


1981<br />

Der Tagebau Gräbendorf – in zwei Schnitten zum Ziel<br />

Die Kohle im Tagebau Gräbendorf, in <strong>de</strong>m erst 1984<br />

die Kohlenför<strong>de</strong>rung begann, lag unter einer nur<br />

20-45 Meter mächtigen Abraumschicht. Im Vergleich<br />

zum Tagebau Greifenhain mit seinem bis zu 115 Meter<br />

mächtigen Deckgebirge war das relativ wenig. In nur<br />

zwei Schnitten gelangten die Abraumbagger zum Ziel:<br />

zum zweiten Lausitzer Kohleflöz.<br />

Ranzow<br />

1990<br />

1989<br />

1992<br />

Tagebau<br />

Gräbendorf<br />

1979-1992<br />

Laasow<br />

1988<br />

1987<br />

1986<br />

1983<br />

1983-06<br />

1982<br />

1985<br />

1984<br />

Krieschow<br />

Tagebaugebiet Gräbendorf<br />

Beginn: 1979<br />

Landinanspruchnahme: 834,6 ha<br />

Rohkohlenför<strong>de</strong>rung: 36,4 Mio. t<br />

Abraumbewegung: 128,8 Mio. m³<br />

Beendigung: 1992<br />

Das Deckgebirge im Tagebau Gräbendorf wur<strong>de</strong> in zwei<br />

Schnitten abgeräumt. Im Hochschnitt wur<strong>de</strong>n durch <strong>de</strong>n<br />

Schaufelradbagger 1523 SRs 1300 ca. zehn Meter und im<br />

Tiefschnitt durch <strong>de</strong>n Eimerkettenbagger 644 Es 1120.2<br />

etwa 16 Meter hohe Abraumschichten abgebaggert. Im<br />

Regelfall legte <strong>de</strong>r Eimerkettenbagger das Hangen<strong>de</strong> <strong>de</strong>r<br />

Oberbank frei. Der Abraum wur<strong>de</strong> bis 1988 mit <strong>de</strong>m Zug<br />

zur Außenkippe Göritz, die sich auf <strong>de</strong>m Gelän<strong>de</strong> <strong>de</strong>s<br />

Tagebaus Greifenhain befand, und danach auf die Innenkippe<br />

verbracht.<br />

Red<strong>de</strong>rn<br />

Tagebau Greifenhain<br />

Tagesanlagen<br />

Göritz<br />

Außenkippe<br />

Göritz<br />

Tagesanlagen<br />

Casel<br />

Casel<br />

Hauptwerkstatt<br />

Greifenhain<br />

Außenhal<strong>de</strong><br />

Illmersdorf<br />

Tagebau Gräbendorf<br />

Abbauflächen Tagebau Greifenhain<br />

Landwirtschaftsfläche<br />

Wald<br />

Grünfläche<br />

Sukzessionsfläche<br />

Wasser<br />

Gewerbliche Baufläche<br />

Verkehrsfläche<br />

Wohnen<br />

Eisenbahnverkehrsfläche<br />

Eisenbahn<br />

Drehpunkt<br />

Der Ort Buchholz verschwand dabei unter <strong>de</strong>m Abraum<br />

von gleich zwei Tagebauen – <strong>de</strong>m von Greifenhain und von<br />

Gräbendorf. Die Außenkippe Göritz ist heute als Buchholzer<br />

Höhe bekannt und erhebt sich als weithin sichtbare Landmarke<br />

30 bis 40 Meter über <strong>de</strong>m ursprünglichen Gelän<strong>de</strong>.<br />

Darüber hinaus erfolgte <strong>de</strong>r Abbau <strong>de</strong>r Abraumschicht<br />

zwischen <strong>de</strong>n Flözbänken über eine Direktversturzkombination<br />

(Schaufelradbagger und Bandabsetzer), die <strong>de</strong>n<br />

Abraum auf das bereits ausgekohlte Liegen<strong>de</strong> absetzte.<br />

Das Kohlefeld Gräbendorf bestand aus einer Oberbank<br />

(Flözbank 1 und 2) und einer Unterbank (Flözbank 3). Die<br />

Kohlenför<strong>de</strong>rung in <strong>de</strong>r Oberbank erfolgte mit <strong>de</strong>m Schaufelradbagger<br />

1524 SRs 1000. In <strong>de</strong>r Unterbank war ein<br />

Eimerkettenbagger 354 ERs 710 tätig.<br />

In <strong>de</strong>n acht Jahren Kohlenför<strong>de</strong>rung im Tagebau Gräbendorf<br />

wur<strong>de</strong>n insgesamt 36 Millionen Tonnen Rohbraunkohle<br />

vor allem in die Kraftwerke nach Lübbenau und<br />

Vetschau, aber auch in die Brikettfabriken <strong>de</strong>r Lausitz<br />

geliefert.<br />

Die Kohlenför<strong>de</strong>rung aus <strong>de</strong>m Tagebau Gräbendorf wur<strong>de</strong>,<br />

verursacht durch <strong>de</strong>n drastischen Absatzrückgang,<br />

zum 31. Dezember 1992 eingestellt. Bedingt durch die<br />

ehemals geplante Weiterführung <strong>de</strong>s Tagebaus waren<br />

in <strong>de</strong>n Randbereichen bereits die Umsiedlungen <strong>de</strong>r<br />

Orte Gräbendorf, Laasdorf sowie von Teilen <strong>de</strong>s Ortes<br />

Laasow schon erfolgt.<br />

Durch das vorzeitige Auslaufen <strong>de</strong>s Tagebaus 1992<br />

wur<strong>de</strong>n die Flächen <strong>de</strong>r mittlerweile abgebrochenen<br />

Ortslage Gräbendorf nicht mehr bergbaulich in Anspruch<br />

genommen.<br />

8 Greifenhain/Gräbendorf


Eingesetzte Großgeräte Gräbendorf<br />

Typ Geräte - Nr. Bemerkung<br />

Abraumbetrieb<br />

Eimerkettenbagger Es 1120.2 644<br />

Absetzer As 1120 1039<br />

Bandwagen BRs 1400 737 Abraum in Direktversturzkombination<br />

Absetzer As 1120 1039<br />

Absetzer As 2240 1011 Außenkippe Göritz<br />

Schaufelradbagger SRs 1300 1523<br />

Schaufelradbagger SRs 1000 127 Abraum in Direktversturzkombination<br />

Kohlenför<strong>de</strong>rung<br />

Eimerkettenbagger ERs 710 354<br />

Schaufelradbagger SRs 1000 1524<br />

Exkursion im Tagebau Gräbendorf, 1985<br />

9


Verlorene Orte, überbaggerte Landschaften<br />

Der Kohlenabbau for<strong>de</strong>rte in fast 70 Jahren gleichermaßen einen hohen Tribut von <strong>de</strong>r Landschaft wie<br />

auch von <strong>de</strong>n dort leben<strong>de</strong>n Menschen. Ein Stück Heimat vieler Menschen wur<strong>de</strong> unwie<strong>de</strong>rbringlich<br />

weggebaggert.<br />

Der vollständige Abbruch <strong>de</strong>r Orte Buchholz, Nebendorf,<br />

Klein und Groß Jauer war endgültig. An<strong>de</strong>re Orte hatten<br />

etwas mehr Glück. Aus Göritz, Red<strong>de</strong>rn, Altdöbern,<br />

Neudorf und Laasow mussten nur wenige Menschen<br />

wegziehen.<br />

Gräbendorf und Laasdorf hatten ein an<strong>de</strong>res Schicksal:<br />

Sie wur<strong>de</strong>n nicht überbaggert und <strong>de</strong>nnoch erfolgte<br />

1989 <strong>de</strong>r Abbruch bei<strong>de</strong>r Orte. 55 Menschen mussten<br />

umgesie<strong>de</strong>lt wer<strong>de</strong>n.<br />

Der Ort Pritzen war ebenfalls zur vollständigen Überbaggerung<br />

vorgesehen, die Einstellung <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung im<br />

Jahr 1994 bewahrte <strong>de</strong>n Ort jedoch vor diesem Schicksal.<br />

Allerdings hatte er da nur noch vier Einwohner.<br />

Dort, wo einst Wiesen und Wäl<strong>de</strong>r waren und dann über<br />

Jahrzehnte nach Braunkohle gegraben wur<strong>de</strong>, sind nun<br />

große Seen entstan<strong>de</strong>n. An die historische Landschaft<br />

erinnert hier nur noch wenig. Das neue Buchholzer Fließ<br />

spru<strong>de</strong>lt heute am Gräbendorfer See vorbei, anstatt in<br />

ihn hinein. Das alte Buchholzer Fließ mün<strong>de</strong>te noch in<br />

<strong>de</strong>n Lugteich. Verschwun<strong>de</strong>n ist auch die Teichlandschaft<br />

zwischen Altdöbern, Casel und Göritz. Wo früher vor<br />

allem Landwirtschaft betrieben wur<strong>de</strong>, fin<strong>de</strong>t man nun<br />

ausge<strong>de</strong>hnte Wäl<strong>de</strong>r.<br />

Das Landschaftsbild hat sich nahezu komplett gewan<strong>de</strong>lt.<br />

Die Gewässer in <strong>de</strong>r Region führten zu Zeiten <strong>de</strong>s Tagebaus<br />

oft hauptsächlich eisenhaltiges Sümpfungswasser.<br />

Heute fließt hier wie<strong>de</strong>r weitgehend sauberes Wasser in<br />

Bächen und Flüssen.<br />

Überbaggerte Ortschaften im Tagebauraum Überbaggerte Wasserflächen im Tagebauraum Überbaggerte Waldflächen im Tagebauraum<br />

10<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Ortsinanspruchnahmen<br />

Ort Jahr betroffene<br />

Einwohner<br />

Raum Greifenhain<br />

Buchholz 1959 261<br />

Altdöbern (teilweise) 1983 10<br />

Klein Jauer 1984/85 118<br />

Groß Jauer 1984/85 54<br />

Göritz (teilweise) 1986 8<br />

Pritzen (nicht überbaggert) 1972, 1981, 1988 477<br />

Summe 928<br />

Raum Gräbendorf<br />

Red<strong>de</strong>rn (teilweise) 1979 2<br />

Laasow (teilweise) 1987 17<br />

Laasdorf 1989 15<br />

Gräbendorf 1989 40<br />

Summe 74<br />

Transport <strong>de</strong>s Schaufelradbaggers SRs 6300 im Tagebau Greifenhain<br />

11


HEUTE<br />

Landschaften verwan<strong>de</strong>ln<br />

Gräbendorfer See, 2003<br />

Nach <strong>de</strong>r Einstellung <strong>de</strong>s Bergbaus wur<strong>de</strong> <strong>de</strong>r LMBV die Aufgabe übertragen,<br />

die ehemaligen Tagebaulandschaften und ihr Umfeld zu sanieren und wie<strong>de</strong>r<br />

nutzbar zu machen. In <strong>de</strong>n Verantwortungsbereich <strong>de</strong>r LMBV gehören u. a. die<br />

Herstellung <strong>de</strong>r Sicherheit, die Rekultivierung und Wie<strong>de</strong>rnutzbarmachung<br />

<strong>de</strong>r Landschaft und die Wie<strong>de</strong>rherstellung eines ausgeglichenen, sich weitestgehend<br />

selbst regulieren<strong>de</strong>n Wasserhaushaltes. Dies betrifft allein im Raum<br />

Greifenhain/Gräbendorf ein Gebiet von ca. 4.000 Hektar.<br />

Die Mitarbeiter <strong>de</strong>r LMBV und ihrer Partnerunternehmen sind seit 1992 bzw.<br />

1994 damit beschäftigt, mit schwerem Bergbaugerät und hohem Koordinationsaufwand<br />

riesige Erdmassen zu bewegen. Die Tagebaugruben wer<strong>de</strong>n<br />

geflutet, Flächen standsicher gemacht, ehemalige Kippenflächen bepflanzt und<br />

verschwun<strong>de</strong>ne Flussläufe wie<strong>de</strong>r hergestellt, kurzum: die Landschaft wird für<br />

neue Nutzungen wie<strong>de</strong>r fit gemacht.<br />

Rohbö<strong>de</strong>n neben rekultivierten Flächen<br />

im Tagebau Greifenhain, 1986<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

13


Vorausschauend planen<br />

Sanierungsplan Greifenhain,1994<br />

Abschlussbetriebsplan, 1995<br />

Rahmenplan zum Nutzungskonzept Greifenhain, 2006<br />

Die Sanierung und Rekultivierung einer ganzen Region erfor<strong>de</strong>rt eine gründliche und vorausschauen<strong>de</strong><br />

Planung. Gefahren wie das Abrutschen gefähr<strong>de</strong>ter Böschungen müssen vermie<strong>de</strong>n, ein geregelter<br />

Wie<strong>de</strong>ranstieg <strong>de</strong>s Grundwassers und die Flutung <strong>de</strong>r ehemaligen Tagebaulöcher organisiert wer<strong>de</strong>n,<br />

um die Landschaft für Mensch und Natur wie<strong>de</strong>r nutzbar zu machen.<br />

Schon sehr frühzeitig wur<strong>de</strong> über die nach <strong>de</strong>m Kohlenabbau<br />

durchzuführen<strong>de</strong>n Sanierungsmaßnahmen nachgedacht.<br />

So wur<strong>de</strong> zu Beginn <strong>de</strong>r Bergbautätigkeit mit <strong>de</strong>r<br />

Gewinnung <strong>de</strong>s Mutterbo<strong>de</strong>ns, also <strong>de</strong>r obersten Deckschicht,<br />

ein Grundstein für die spätere Rekultivierung<br />

gelegt. Dieser Humusbo<strong>de</strong>n wur<strong>de</strong> z. B. zur Rekultivierung<br />

von vorhan<strong>de</strong>nen Kippen verwen<strong>de</strong>t.<br />

Durch vielfältige Rekultivierungsmaßnahmen erhielt die<br />

Bergbaufolgelandschaft im Raum Greifenhain/Gräbendorf<br />

ein neues Gesicht, aber auch neue Funktionen. Land- und<br />

Forstwirtschaft erhielten neue Nutzflächen. Mit <strong>de</strong>r<br />

Aufforstung <strong>de</strong>r Außenkippe Göritz wur<strong>de</strong>n aber nicht<br />

nur neue Waldflächen für die Forstwirtschaft o<strong>de</strong>r zur<br />

Naherholung geschaffen. Sie bewirkten gleichzeitig eine<br />

Verbesserung <strong>de</strong>r lokalen Bo<strong>de</strong>nqualität und verhin<strong>de</strong>rten<br />

eine Erosion <strong>de</strong>s Bo<strong>de</strong>ns.<br />

Auch die Wie<strong>de</strong>rherstellung <strong>de</strong>s Straßenverkehrsnetzes<br />

war ein wichtiges Sanierungsziel. Zwar konnte die durch<br />

<strong>de</strong>n Tagebau Greifenhain gekappte Straßenverbindung von<br />

Pritzen nach Altdöbern nicht wie<strong>de</strong>rhergestellt wer<strong>de</strong>n,<br />

doch hat die LMBV dafür gesorgt, daß im Zuge <strong>de</strong>r Sanierung<br />

die Dorfstraße in Pritzen wie<strong>de</strong>r ausgebaut wur<strong>de</strong>.<br />

Auch <strong>de</strong>r Bau von Rundwegen um <strong>de</strong>n Gräbendorfer und<br />

<strong>de</strong>n Altdöberner See und die Abflachung von Uferböschungen<br />

zur Anlage von Strän<strong>de</strong>n trägt dazu bei, <strong>de</strong>n Tourismus<br />

und die Naherholung im Gebiet zu beför<strong>de</strong>rn.<br />

Red<strong>de</strong>rn<br />

Casel<br />

Sanierungsleistungen im Bereich Gräbendorf<br />

Sanierungsleistungen im Bereich Greifenhain<br />

1992-1998 1999-2008 Summe<br />

1992-1998 1999-2010 Summe<br />

Verdichtungsleistungen in Tm³ 5.218 832 6.050<br />

Massenbewegung in Tm³ 3.115 2.653 5.768<br />

Rekultivierung - Herstellung<br />

FN-Flächen in ha 223 109 332<br />

Rekultivierung - Herstellung<br />

SN-Flächen in ha 66 83 149<br />

Demontage und Verschrottung in t 29.700 14.400 44.100<br />

Abbruch baulicher Anlagen in m³ 31.630 7.710 39.340<br />

Verdichtungsleistungen in Tm³ 0 31.640 31.640<br />

Massenbewegung in Tm³ 38.310 5.550 43.860<br />

Rekultivierung - Herstellung<br />

FN-Flächen in ha 230 134 364<br />

Rekultivierung - Herstellung<br />

SN-Flächen in ha 164 123 287<br />

Demontage und Verschrottung in t 87.870 221.170 309.040<br />

Abbruch baulicher Anlagen in m³ 33.870 97.260 131.130<br />

Altdöbern<br />

Altdöberner<br />

See<br />

Pritzen<br />

Greifenhain<br />

14<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Wie<strong>de</strong>r nutzbar gemachte Flächen<br />

im ehemaligen Tagebau Greifenhain, 2003<br />

Sanierungsplan Gräbendorf, 1994<br />

Abschlussbetriebsplan, 1995<br />

Rahmenplan zum Nutzungskonzept Gräbendorf, 2006<br />

Wüstenhain<br />

Laasow<br />

Gräbendorfer<br />

See<br />

Red<strong>de</strong>rn<br />

Casel<br />

15


16<br />

Gräbendorfer See, 2003


Wie<strong>de</strong>rnutzbarmachung hat begonnen<br />

Wasser spielte neben <strong>de</strong>r Kohle im Tagebau immer eine wichtige Rolle. Jedoch war dies zu aktiven Bergbauzeiten<br />

eine gänzlich an<strong>de</strong>re als heute. Um an die tief in <strong>de</strong>r Er<strong>de</strong> liegen<strong>de</strong>n Kohleflöze heranzukommen,<br />

musste das Grundwasser abgepumpt wer<strong>de</strong>n. Versagte das Entwässerungsmanagement, stan<strong>de</strong>n die<br />

Bagger bald im Wasser.<br />

Durch die Sümpfungsmaßnahmen entstand ein großräumiger<br />

Grundwasserabsenkungstrichter. Die Wie<strong>de</strong>rherstellung<br />

eines sich weitestgehend selbst regulieren<strong>de</strong>n<br />

Wasserhaushaltes wur<strong>de</strong> nach Beendigung <strong>de</strong>s Bergbaus<br />

eine wesentliche Aufgabe <strong>de</strong>r Sanierung.<br />

Für je<strong>de</strong>n sofort sichtbar, spielt insbeson<strong>de</strong>re die Flutung<br />

<strong>de</strong>r Tagebaurestlöcher eine Schlüsselrolle. Viel<br />

Wasser wird jetzt gebraucht. Durch eine zügige Flutung<br />

wird eine hohe Wasserqualität angestrebt, die für eine<br />

Erholungsnutzung notwendig ist.<br />

Die Flutung <strong>de</strong>r ehemaligen Tagebaue Greifenhain und<br />

Gräbendorf dauert mehr als zwei Jahrzehnte. Dabei ist<br />

<strong>de</strong>r ehemalige Tagebau Greifenhain <strong>de</strong>r langsamere:<br />

Der hier entstehen<strong>de</strong> Altdöberner See wird voraussichtlich<br />

erst im Jahr 2021 gefüllt sein.<br />

Wasser für <strong>de</strong>n Altdöberner See<br />

Im ehemaligen Tagebau Greifenhain wird einer <strong>de</strong>r<br />

größten Binnenseen im Land Bran<strong>de</strong>nburg entstehen –<br />

<strong>de</strong>r Altdöberner See. Im Jahr 1998 begann die Fremdflutung<br />

mit aufbereitetem Tagebauwasser aus <strong>de</strong>r<br />

Grubenwasserreinigungsanlage Rainitza. Bis zu diesem<br />

Zeitpunkt hatte sich die Grube jedoch schon zum Teil mit<br />

<strong>de</strong>m wie<strong>de</strong>r ansteigen<strong>de</strong>n Grundwasser gefüllt.<br />

Aus <strong>de</strong>r Vogelperspektive wird beson<strong>de</strong>rs <strong>de</strong>utlich, wie<br />

<strong>de</strong>r Wasserspiegel über die Jahre allmählich steigt. In <strong>de</strong>n<br />

nunmehr acht Jahren seit Beginn <strong>de</strong>r Flutung sind mehr<br />

als 80 Millionen Kubikmeter Wasser in <strong>de</strong>n See eingeleitet<br />

wor<strong>de</strong>n. Noch fehlen rund 15 Meter bis zum Erreichen<br />

<strong>de</strong>s endgültigen Wasserstan<strong>de</strong>s. Dann wird <strong>de</strong>r Altdöberner<br />

See ca. 300 Millionen Kubikmeter Wasser fassen.<br />

Fast 900 Hektar Wasserfläche stehen dann auch für<br />

touristische Nutzungen bereit.<br />

Tagebau Greifenhain 1995, 1997, 2001, 2005<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

17


Bedingungen wie kurz nach <strong>de</strong>r Eiszeit<br />

Unsere Wäl<strong>de</strong>r sind das Ergebnis einer vor mehr als zehntausend Jahren begonnenen Entwicklung,<br />

in <strong>de</strong>ren Verlauf sich Bäume, Sträucher und krautige Pflanzen zum heutigen Bild zusammenfügten.<br />

Vergleichsweise ähnliche Bo<strong>de</strong>nbedingungen wie am Beginn <strong>de</strong>r natürlichen Wal<strong>de</strong>ntwicklung nach<br />

<strong>de</strong>m En<strong>de</strong> <strong>de</strong>r letzten Eiszeit sind auch für die Bergbaufolgestandorte charakteristisch.<br />

Lässt sich die Vegetationsentwicklung in diesen neuen<br />

Landschaften durch geeignete Maßnahmen beeinflussen<br />

und lenken? Die Antwort lautet: ja! Nach vielen Jahrzehnten<br />

<strong>de</strong>r empirischen Forschung mit zahlreichen,<br />

auch unterschiedlich erfolgreichen Rekultivierungsversuchen<br />

wird heute mit <strong>de</strong>r Wie<strong>de</strong>raufforstung eine langfristige<br />

und nachhaltige Bo<strong>de</strong>nfruchtbarkeit erreicht. Die<br />

Waldflächen können ihrer Schutz- und Erholungsfunktion<br />

gerecht und wirtschaftlich genutzt wer<strong>de</strong>n. Eine möglichst<br />

große Baumvielfalt und die Herstellung lausitztypischer<br />

Mischwäl<strong>de</strong>r ist das Ergebnis <strong>de</strong>r Arbeit <strong>de</strong>r<br />

Forstleute.<br />

Biotope aus zweiter Hand<br />

Nach <strong>de</strong>r Einstellung <strong>de</strong>s Abbaubetriebes bleibt ein so<br />

genanntes Tagebaurestloch. Dieses entwickelt sich<br />

nach einiger Zeit zu einem Restsee mit ganz unterschiedlich<br />

geformten Uferpartien, Steilböschungen und<br />

ebenen Kippenflächen. In Senken und Ebenen können<br />

sich Tümpel und Feuchtflächen bil<strong>de</strong>n. An Böschungen<br />

tritt Sickerwasser aus. Die daraus entstehen<strong>de</strong> Vielfalt<br />

an Biotopstrukturen macht die Bergbaufolgelandschaft<br />

zu einem <strong>de</strong>r dynamischsten Elemente unserer Kulturlandschaft.<br />

Im Mittelpunkt <strong>de</strong>r Rekultivierung stand lange die Wie<strong>de</strong>rherstellung<br />

von produktiv nutzbarem Bo<strong>de</strong>n. Trotz<strong>de</strong>m<br />

blieb ein relativ großer Anteil von Flächen in Form so<br />

genannter Sukzessionsflächen entsprechend <strong>de</strong>n Sanierungsplänen<br />

sich selbst überlassen. Der Bo<strong>de</strong>n in diesen<br />

Gebieten, die bewusst nicht rekultiviert wur<strong>de</strong>n, besteht<br />

hier aus Material, das jahrtausen<strong>de</strong>lang tief in <strong>de</strong>r Er<strong>de</strong><br />

lag. Flora und Fauna erobern sich dort nur zögernd <strong>de</strong>n<br />

neuen Lebensraum.<br />

Aufgeforstete Kippenflächen im ehemaligen Tagebau Greifenhain, 2000<br />

Uferbereich Gräbendorf, 2001<br />

Natur erobert sich die Ufer <strong>de</strong>s ehemaligen Tagebaus Greifenhain zurück, 2003<br />

18<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Sommerwiese am ehemaligen<br />

Tagebau Greifenhain, 1999<br />

19


Kunst und Kultur im ehemaligen Tagebau<br />

Schützengräben durchziehen <strong>de</strong>n kahlen Abhang. Am Fuß <strong>de</strong>s Berges stapeln sich Munitionskisten.<br />

Im ehemaligen Tagebau Greifenhain wur<strong>de</strong>n Szenen für <strong>de</strong>n Film „Duell – Enemy at the gates“, Europas<br />

bis dahin teuersten Kinofilm, gedreht. Im Jahr 1999 wur<strong>de</strong> hier mit über 500 Darstellern ein Teil <strong>de</strong>r<br />

Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg nachgestellt.<br />

Gräbendorf – gestran<strong>de</strong>t<br />

Der Ort Gräbendorf musste <strong>de</strong>m nach ihm benannten<br />

Tagebau 1989 weichen. Die meisten Bewohner wur<strong>de</strong>n<br />

nach Altdöbern o<strong>de</strong>r Calau umgesie<strong>de</strong>lt. Nach <strong>de</strong>m Abriss<br />

<strong>de</strong>r Häuser kam <strong>de</strong>r Tagebau 1992 jedoch vor Gräbendorf<br />

zum Stehen.<br />

Dieser Tagebau war die i<strong>de</strong>ale Kulisse für <strong>de</strong>n Regisseur.<br />

Das teilweise mit Wasser gefüllte Restloch wur<strong>de</strong> im Film<br />

zur Wolga. Für <strong>de</strong>n Film wur<strong>de</strong> die Tagebaukante mit <strong>de</strong>r<br />

Silhouette von Stalingrad zusammen montiert.<br />

Was heute kaum noch jemand weiß: Am 19. April 1945<br />

wur<strong>de</strong> <strong>de</strong>r Tagebaubetrieb Greifenhain von <strong>de</strong>r Roten<br />

Armee besetzt. Durch Artilleriebeschuss kam es zu einem<br />

Brand. Dabei flogen Funken in <strong>de</strong>n Tagebau und entzün<strong>de</strong>ten<br />

dort <strong>de</strong>n Kohlenstoß. Ein Schaufelradbagger brannte<br />

aus. Die Wasserpumpen fielen aus, das Wasser stieg an.<br />

Der Tagebau „soff“ ab und die Hauptgewinnungsgeräte<br />

wur<strong>de</strong>n schwer beschädigt. Nach En<strong>de</strong> <strong>de</strong>s Krieges galt<br />

es, die voll gelaufene Grube wie<strong>de</strong>r leer zu pumpen, was<br />

unter schwersten Bedingungen geschah. Am 15. September<br />

1945 konnte die Kohlenför<strong>de</strong>rung nach erfolgreicher<br />

Sümpfung wie<strong>de</strong>r aufgenommen wer<strong>de</strong>n.<br />

LandArt in <strong>de</strong>r Lausitz – Biennalen in Pritzen<br />

<strong>de</strong>s Tagebaues Greifenhain statt. Die Arbeitsergebnisse<br />

<strong>de</strong>r im Pritzener Gebiet tätig gewor<strong>de</strong>nen Künstler sind<br />

größtenteils noch heute zu besichtigen.<br />

Ziel <strong>de</strong>r Kunstwerke war es, einen Beitrag zur Landschaftsgestaltung<br />

in einem vom Braunkohlenbergbau<br />

völlig verän<strong>de</strong>rten Gebiet zu leisten. Sie wollten zum<br />

Nach<strong>de</strong>nken über die Auswirkungen <strong>de</strong>r Naturzerstörungen<br />

durch <strong>de</strong>n großflächigen Braunkohlenabbau<br />

anregen aber ebenso die Rückgewinnung <strong>de</strong>r Lebensräume<br />

durch <strong>de</strong>n Menschen veranschaulichen.<br />

Kunstobjekt „Klima-Boot“ von Ben Wagin, 2001<br />

Schiffskulisse auf <strong>de</strong>m Altdöberner See,1999<br />

Regisseur Arnaud und sein Filmteam, 1999<br />

Heute befin<strong>de</strong>t sich auf <strong>de</strong>r Fläche <strong>de</strong>s ehemaligen Ortes<br />

ein Mahnmal <strong>de</strong>s Aktionskünstlers Ben Wagin. Für je<strong>de</strong>s<br />

abgerissene Haus wur<strong>de</strong> ein Baum gepflanzt. Ganz in <strong>de</strong>r<br />

Nähe liegt unvermittelt ein gestran<strong>de</strong>tes Schiff in <strong>de</strong>r<br />

Landschaft. Der Spruch „Die Wüste ist in uns“ am Rumpf<br />

<strong>de</strong>s Klima-Bootes soll uns zum Nach<strong>de</strong>nken über diesen<br />

Ort bewegen. Das Dorf Gräbendorf ist bildlich gesprochen<br />

am Ufer das Tagebaus gestran<strong>de</strong>t, und seine Geschichte<br />

mit ihm.<br />

Kunst und Tagebau – wie passt das zusammen? Dass es<br />

passen kann, bewiesen die drei Biennalen in Tagebaugebieten,<br />

die in <strong>de</strong>n Jahren 1991, 1993 und 1995 zu <strong>de</strong>n<br />

Kunstrichtungen LandArt, Objektkunst und Multimedia<br />

veranstaltet wur<strong>de</strong>n. Zwei <strong>de</strong>r Biennalen fan<strong>de</strong>n 1993 und<br />

1995 im Ort Pritzen und auf <strong>de</strong>m angrenzen<strong>de</strong>n Gelän<strong>de</strong><br />

20<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Biennale-Kunstwerk „Gelbe Rampe“<br />

am Altdöberner See, 2006<br />

21


22<br />

Blick auf die Halbinsel Pritzen mit <strong>de</strong>m<br />

entstehen<strong>de</strong>n Altdöberner See, 2006


Pritzen – vom Geisterdorf zur Kunstlandschaft<br />

Mit <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung verän<strong>de</strong>rte sich <strong>de</strong>r Charakter von Pritzen. In <strong>de</strong>n Jahren 1959-1961 wur<strong>de</strong>n erste<br />

Vorbereitungen zur Umsiedlung <strong>de</strong>s Dorfes getroffen. Trotz schlechter wer<strong>de</strong>n<strong>de</strong>r Lebensbedingungen blieb<br />

bis 1989 die Mehrzahl <strong>de</strong>r Einwohner im Dorf.<br />

Standort <strong>de</strong>r ehemaligen Dorfkirche markieren heute einige<br />

Findlinge neben <strong>de</strong>m Glockenturm. Seither sind viele<br />

Grundstücke neu bzw. wie<strong>de</strong>r besie<strong>de</strong>lt wor<strong>de</strong>n.<br />

Die Halbinsel Pritzen liegt in <strong>de</strong>r jetzt gefluteten Tagebaulandschaft.<br />

Der Ort mit seiner außergewöhnlichen Geschichte<br />

ist von Wasser fast umgeben. Eine unerklärliche<br />

Anziehungskraft ist es wohl, die dieses Dorf mit seinen<br />

rund 75 Einwohnern bis heute am Leben hält.<br />

Immer wie<strong>de</strong>r hat Pritzen, das heute <strong>de</strong>r Gemein<strong>de</strong><br />

Altdöbern angehört, die Menschen wie ein Magnet<br />

angezogen. Günther Grass blickte auf Pritzen und schrieb<br />

wenig später seinen Roman „Ein weites Feld“. Filmregisseure<br />

drehten hier Sequenzen bekannter TV-und Kinofilme.<br />

Internationale Künstler ent<strong>de</strong>ckten <strong>de</strong>n Ort für sich<br />

und präsentierten hier LandArt.<br />

1984 war <strong>de</strong>r Tagebau bereits so weit fortgeschritten,<br />

dass die Straße von Altdöbern nach Pritzen gesperrt und<br />

kurz darauf von <strong>de</strong>n Kohlebaggern durchschnitten wur<strong>de</strong>.<br />

Die Überbaggerung <strong>de</strong>s Ortes war für 1995 geplant. Im<br />

Oktober 1992 kam es allerdings zur Stilllegung <strong>de</strong>s Tagebaues.<br />

Ein Teil <strong>de</strong>s Dorfes Pritzen hatte bereits bis dahin<br />

<strong>de</strong>m Tagebau weichen müssen. 1988 wur<strong>de</strong> die 700 Jahre<br />

alte Feldsteinkirche von Pritzen stückweise abgetragen<br />

und am Rand von Spremberg wie<strong>de</strong>r errichtet.<br />

Der Beschluss zur Revitalisierung von Pritzen erfolgte<br />

1993. Seit<strong>de</strong>m hat Pritzen wie<strong>de</strong>r einen Glockenturm, <strong>de</strong>r<br />

aus Wolkenberg stammt. Der Ort Wolkenberg musste<br />

damals <strong>de</strong>m Bergbau weichen. Der im Oktober 1993 per<br />

Hubschrauber herantransportierte hölzerne Glockenturm<br />

sowie seine Glocke und auch die kleine Aussichtsplattform<br />

am Ran<strong>de</strong> <strong>de</strong>s Ortes waren erste <strong>de</strong>utliche Zeichen,<br />

dass <strong>de</strong>r Ort Pritzen zu neuem Leben erwacht. Den<br />

Kunstlandschaft Pritzen<br />

Mit großem Engagement versuchte die Internationale<br />

Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land zwischen 2000<br />

und 2010 gemeinsam mit <strong>de</strong>n alten und neuen Pritzenern<br />

das Dorf wie<strong>de</strong>r lebenswert zu machen. Die vielfältigen<br />

Veranstaltungen, die je<strong>de</strong>s Jahr viele Besucher anlocken,<br />

und das zu einem Kulturzentrum umgebaute Bürgerhaus<br />

sind nur zwei Beispiele für das neue Leben in Pritzen.<br />

Besucht man das abgelegene Dorf heute, spürt man vom<br />

einst so morbi<strong>de</strong>n Charme <strong>de</strong>s fast abgebaggerten Ortes<br />

nichts mehr. Die meisten <strong>de</strong>r bereits sanierten und zum<br />

Teil neu gebauten Häuser sind schon seit längerer Zeit<br />

wie<strong>de</strong>r bewohnt und die Dorfstraße ist neu gepflastert.<br />

Pritzen lebt wie<strong>de</strong>r.<br />

Glockenturm in Pritzen, 2006<br />

Dorfstraße im „Geisterdorf“ Pritzen, 2000<br />

Besucher <strong>de</strong>s Biennale-Kunstwerks „Der Sumpf“ in Pritzen, 2004<br />

Kunstwerk „Feurige Köpfe Land“ aus <strong>de</strong>r Biennale in Pritzen, 1995<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

23


Zeitabläufe<br />

Werksgruppe Greifenhain, 1955<br />

Eimerkettenbagger D 1400 im Tagebau Greifenhain<br />

Löffelbagger beim Bela<strong>de</strong>n eines Abraumzuges im Tagebau<br />

Greifenhain, 1984<br />

Tagebau Greifenhain<br />

1935 Beginn <strong>de</strong>r Entwässerung<br />

1936 Beginn <strong>de</strong>r Aufschlussbaggerung<br />

1937 Beginn <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung im Hochschnitt<br />

1939 Beginn <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung im Tiefschnitt<br />

1945 Zwangspause durch Kriegseinwirkungen<br />

1948 Einsatz eines zweiten Baggers im Abraumbetrieb<br />

1956 Einführung <strong>de</strong>s 2-Schnitt-Betriebes im Abraum<br />

1959 Überbaggerung <strong>de</strong>s Ortes Buchholz<br />

1965-67 Umstellung auf Filterbrunnenentwässerung<br />

1968 Stillstand <strong>de</strong>r Tagebauentwicklung<br />

auf Grund staatlicher Entscheidungen<br />

zur Reduzierung <strong>de</strong>r<br />

Braunkohlenför<strong>de</strong>rung<br />

1970 Wie<strong>de</strong>raufnahme<br />

<strong>de</strong>s Tagebaubetriebs<br />

1935 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74<br />

Tagebau Gräbendorf<br />

Rittergut Lindchen<br />

Männer am Bagger, 1955<br />

24<br />

Eimerkettenbagger ERs 710-354 im<br />

Tagebau Gräbendorf, 1984


1976-78 Umstellung <strong>de</strong>s Abraumbetriebes<br />

auf Bandtransport<br />

Rekultivierung im ehemaligen<br />

Tagebau Greifenhain, 1998<br />

Eimerkettenbagger im Tagebau Greifenhain, 1986<br />

1984-85 Überbaggerung <strong>de</strong>r Orte Klein-Jauer und<br />

Groß-Jauer, Umsiedlung von 128 Menschen<br />

1988 Bau einer Kohleverla<strong>de</strong>anlage<br />

1988 Aufgabe <strong>de</strong>s Ortes<br />

Pritzen, Umsiedlung<br />

von 477 Menschen<br />

1993 Umsetzung <strong>de</strong>r Großgeräte<br />

in an<strong>de</strong>re Tagebaue <strong>de</strong>r<br />

LAUBAG<br />

1993-98 Gestaltung <strong>de</strong>r Böschungssysteme<br />

mit Großgerätetechnik<br />

1994 Beendigung <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung<br />

in Greifenhain<br />

Rohkohlenför<strong>de</strong>rung:<br />

298,5 Mio. t<br />

Bürgerhaus in Pritzen und neue<br />

Dorfstraße, 2005<br />

Bau <strong>de</strong>r Flutungsleitung, 1997<br />

1998 Beginn <strong>de</strong>r Fremdflutung <strong>de</strong>s Tagebaus<br />

1999 Einstellung <strong>de</strong>r Massenbewegung durch Großgeräte<br />

1999-2000 Verschrottung von Großgeräten<br />

1999-2007 Abbruch <strong>de</strong>r Tagesanlagen Pritzen und Göritz sowie <strong>de</strong>r Hauptwerkstatt Greifenhain<br />

2001-05 Verfüllen <strong>de</strong>r unterirdischen Hohlräume<br />

ab 2001 Stabilisierung <strong>de</strong>r Hochkippe<br />

ab 2002 Rückbau <strong>de</strong>r Kohlenverbindungsbahnen<br />

2005-2010 IBA baut die Halbinsel Pritzen zu einer<br />

„Kunstlandschaft” um<br />

2006 Sanierung <strong>de</strong>r Böschungsbereiche <strong>de</strong>s Restloches Casel<br />

2006 Eröffnung <strong>de</strong>r sanierten Dorfstraße in Pritzen<br />

seit 2006 Gestaltungsplanung<br />

Seeufer vor Altdöbern<br />

Altdöberner See<br />

2021 geplanter Endwasserstand<br />

Altdöberner See<br />

75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 01 02 03 04 05 06 07 08 09 >> 2021<br />

1992 Beginn <strong>de</strong>r Rückbaumaßnahmen<br />

1992 Beendigung <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung<br />

Rohkohlenför<strong>de</strong>rung: 36 Mio. t<br />

Gräbendorfer See<br />

2007 Erreichen <strong>de</strong>s geplanten Endwasserstan<strong>de</strong>s<br />

<strong>de</strong>s Gräbendorfer Sees<br />

1991-92 Auskohlung <strong>de</strong>s nördlichen Kohlenfel<strong>de</strong>s<br />

1990-91 Aufbau <strong>de</strong>r Innenkippe<br />

1989 Aufgabe <strong>de</strong>r Orte Laasdorf und Gräbendorf, Umsiedlung von 55 Bewohnern<br />

2006 Bau einer schwimmen<strong>de</strong>n Tauchschule<br />

1987 Umsiedlung von 17 Bewohnern <strong>de</strong>s Ortes Laasow<br />

2006 Anlage eines Stran<strong>de</strong>s beim ehemaligen Ort Gräbendorf<br />

1984-91 Auskohlung <strong>de</strong>s mittleren Kohlenfel<strong>de</strong>s<br />

2001-05 Hydromechanische Gestaltung <strong>de</strong>r Innenkippe<br />

1984 Beginn <strong>de</strong>r Kohlenför<strong>de</strong>rung<br />

1998-2000 Sicherung <strong>de</strong>r Innenkippe Gräbendorf durch Rütteldruckverdichtung<br />

1981 Beginn <strong>de</strong>r Aufschlussbaggerung und Aufbau <strong>de</strong>r Außenkippe Göritz<br />

1997-98 Sicherung <strong>de</strong>r Innenkippe Gräbendorf durch Sprengverdichtung<br />

1980 Beginn <strong>de</strong>r Fel<strong>de</strong>ntwässerung<br />

1979 Beginn <strong>de</strong>r bergmännischen Erschließung <strong>de</strong>r Lagerstätte<br />

1996 Beginn <strong>de</strong>r Fremdflutung aus <strong>de</strong>m Südumfluter <strong>de</strong>r Spree<br />

1993-96 Abriss <strong>de</strong>r Tagesanlagen Casel und Göritz<br />

1992 Beginn <strong>de</strong>r Verschrottung <strong>de</strong>r Großgeräte<br />

Schaufelradbagger im Tagebau<br />

1992-95 Sanierung <strong>de</strong>r gewachsenen Randböschungen<br />

Bau eines schwimmen<strong>de</strong>n Hauses<br />

Gräbendorf, 1996<br />

1992-96 Wie<strong>de</strong>rnutzbarmachung <strong>de</strong>r Außenkippe Göritz<br />

am Gräbendorfer See,<br />

2005<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

25


MORGEN<br />

Neuer Lebensraum<br />

Die Zukunft <strong>de</strong>s ehemaligen Tagebauraumes Greifenhain/Gräbendorf ist zum<br />

Greifen nahe. Die Seen, die in <strong>de</strong>n Tagebaurestlöchern entstan<strong>de</strong>n sind, lassen<br />

das Morgen schon erahnen. Tourismus und Naherholung in einer völlig umgestalteten,<br />

aber <strong>de</strong>nnoch lebenswerten Landschaft wer<strong>de</strong>n künftig diesen Raum<br />

prägen. Schwimmen<strong>de</strong> Häuser auf <strong>de</strong>m Gräbendorfer See, Vogelkolonien auf<br />

<strong>de</strong>r Insel und ein blühen<strong>de</strong>s Kulturleben in und um Pritzen – so wird die Zukunft<br />

im Raum Greifenhain/Gräbendorf aussehen.<br />

Neben <strong>de</strong>r LMBV war die Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land<br />

von 2000 bis 2010 ein Motor für die Entwicklung in <strong>de</strong>r Lausitz. Sie war mehr als<br />

eine gewöhnliche Ausstellung – sie war ein Zukunftsprogramm für die ehemalige<br />

Bergbauregion. Mit <strong>de</strong>n bei<strong>de</strong>n Projekten „Schwimmen<strong>de</strong> Häuser Gräbendorfer<br />

See“ und „Kunstlandschaft Pritzen“ gab sie auch hier <strong>de</strong>m nötigen Strukturwan<strong>de</strong>l<br />

vielfältige Impulse. Am ehemaligen Tagebau Greifenhain soll Pritzen<br />

als Ort für Kunst und Visionen wie<strong>de</strong>rbelebt wer<strong>de</strong>n. Bei Laasow wur<strong>de</strong> mit <strong>de</strong>r<br />

Errichtung einer schwimmen<strong>de</strong>n Tauchschule ein Initial für <strong>de</strong>n Bau weiterer<br />

schwimmen<strong>de</strong>r Häuser gesetzt.<br />

Blick über <strong>de</strong>n Tagebau Greifenhain, 2006<br />

Greifenhain/Gräbendorf 27


Neue I<strong>de</strong>en für ein historisches Bergbaugebiet<br />

I<strong>de</strong>en für <strong>de</strong>n Tagebauraum Greifenhain/Gräbendorf gibt es viele. Doch neben <strong>de</strong>r technischen Machbarkeit muss<br />

zuallererst über die Finanzierung neuer Projekte nachgedacht wer<strong>de</strong>n. Die oft gefor<strong>de</strong>rte wirtschaftliche Tragfähigkeit<br />

ist neben <strong>de</strong>m inhaltlichen Konsens aller Beteiligten die Grundvoraussetzung für <strong>de</strong>n Erfolg neuer Projekti<strong>de</strong>en.<br />

Auf <strong>de</strong>r Buchholzer Höhe haben die ehemaligen Buchholzer,<br />

genau dort, wo einmal ihre Kirche stand, einen<br />

Ge<strong>de</strong>nkstein und Informationstafeln aufgestellt. Auf <strong>de</strong>r<br />

Höhe wur<strong>de</strong> <strong>de</strong>r gesamte ehemalige Ort eingemessen.<br />

Hier steht auch eine Begegnungsstätte, in <strong>de</strong>r sich die<br />

einstigen Dorfbewohner einmal jährlich zu einer Feierstun<strong>de</strong><br />

treffen und an ihr Buchholz erinnern. Viel ist von<br />

<strong>de</strong>r Spitze <strong>de</strong>r Buchholzer Höhe nicht zu sehen, da die<br />

Aussicht auf <strong>de</strong>n Altdöberner See von jungen Kiefernforsten<br />

versperrt wird. Deshalb ist die Errichtung eines<br />

„Seh-Zeichens“ als Landmarke auf <strong>de</strong>r Buchholzer Höhe<br />

im Gespräch.<br />

Schwimmen<strong>de</strong> Architektur<br />

Schwimmen<strong>de</strong> Häuser stellen in <strong>de</strong>r Lausitz eine neue<br />

Siedlungsform dar – angepasst an die neue Landschaft.<br />

Durch erste Projekte dieser Art sollen Beispiele geschaffen<br />

wer<strong>de</strong>n, die weitere Wasserbauvorhaben anregen.<br />

Eines <strong>de</strong>r ersten schwimmen<strong>de</strong>n Häuser im Land<br />

Bran<strong>de</strong>nburg ist nun am Gräbendorfer See entstan<strong>de</strong>n,<br />

<strong>de</strong>r seinen Endwasserstand als einer <strong>de</strong>r ersten Seen in<br />

<strong>de</strong>r Lausitz im Jahr 2007 erreicht hat.<br />

Für die Genehmigung schwimmen<strong>de</strong>r Häuser gibt es in<br />

Deutschland noch keine Einordnung in gängige Rechtsund<br />

Eigentumssysteme. Hier betreten alle am Projekt<br />

Beteiligten Neuland.<br />

Neue Verbindung<br />

Die Wie<strong>de</strong>rherstellung <strong>de</strong>r historischen Straßenverbindung<br />

zwischen Altdöbern und Pritzen, die durch <strong>de</strong>n<br />

Tagebau Greifenhain unterbrochen wur<strong>de</strong>, ist auch nach<br />

Beendigung <strong>de</strong>s Tagebaubetriebes nicht mehr möglich, da<br />

zwischen <strong>de</strong>n Orten nun <strong>de</strong>r Altdöberner See liegt. Zwei<br />

Aussichtspunkte auf <strong>de</strong>r Pritzener und <strong>de</strong>r Altdöberner<br />

Uferseite, die gestalterisch miteinan<strong>de</strong>r korrespondieren,<br />

könnten die historische Verbindung markieren. Ein „Brückenkopf”<br />

auf Pritzener Seite wäre zugleich ein Symbol<br />

für die überbaggerte Ortsverbindung.<br />

Buchholzer Höhe am ehemaligen Tagebau Greifenhain, 1995<br />

Radwan<strong>de</strong>rweg rund um <strong>de</strong>n ehemaligen Tagebau Greifenhain/Gräbendorf, 2006<br />

Am Ufer <strong>de</strong>s entstehen<strong>de</strong>n Altdöberner Sees, 2002<br />

28<br />

Greifenhain/Gräbendorf


Beachvolleyball am Gräbendorfer See vor <strong>de</strong>m<br />

schwimmen<strong>de</strong>n Haus <strong>de</strong>r Tauchschule, 2006<br />

29


30<br />

Naturschutzgebiet auf <strong>de</strong>r Insel im<br />

Gräbendorfer See, 2005


Naturschutz auf <strong>de</strong>r Insel<br />

Gezielter Arten- und Biotopschutz, wie z.B. die Schaffung von ungestörten Nist-, Rast- und Brutmöglichkeiten<br />

für Vögel, kann in <strong>de</strong>r Regel nachhaltig nur auf einer überschaubaren Flächenkulisse gesichert wer<strong>de</strong>n.<br />

Diese Voraussetzungen wer<strong>de</strong>n auf <strong>de</strong>n im Gräbendorfer See entstehen<strong>de</strong>n Inseln vorhan<strong>de</strong>n sein.<br />

Das geplante Naturschutzgebiet „Insel und Ostufer<br />

Gräbendorfer See“ bil<strong>de</strong>t ein komplexes Biotop. Die<br />

Hauptinsel ist aus <strong>de</strong>r früheren Innenkippe, auf die <strong>de</strong>r<br />

Abraum gebracht wur<strong>de</strong>, entstan<strong>de</strong>n. Nordöstlich dieser<br />

Hauptinsel wer<strong>de</strong>n nach Umgestaltung <strong>de</strong>r jetzigen<br />

Zufahrt drei kleinere Inseln entstehen.<br />

Die Vogelinsel ist bo<strong>de</strong>nmechanisch gesichert und gestaltet,<br />

das heißt <strong>de</strong>r Bo<strong>de</strong>n ist verdichtet und die Uferbereiche<br />

so gestaltet, dass Rutschungen ausgeschlossen<br />

wer<strong>de</strong>n können. Die Beendigung <strong>de</strong>r Bergaufsicht ist hier<br />

für 2014 vorgesehen.<br />

Der gesamte Gräbendorfer See wird zu einem Landschaftssee<br />

für naturnahe Erholung mit hervorragen<strong>de</strong>r<br />

Wasserqualität entwickelt. Im gewachsenen Uferbereich<br />

am Ostufer <strong>de</strong>s Sees wer<strong>de</strong>n Teilbereiche wie<strong>de</strong>r wie<br />

in vorbergbaulicher Zeit vernässen. Tümpel und Feuchtbiotope<br />

entstehen. Die Insel bil<strong>de</strong>t <strong>de</strong>n Kern <strong>de</strong>r ungefähr<br />

170 Hektar großen „Bergbaufolgelandschaft Gräbendorfer<br />

See”, die <strong>de</strong>r NaturSchutzFond Bran<strong>de</strong>nburg von <strong>de</strong>r<br />

LMBV erworben hat, um diejenigen Flächen zu sichern<br />

und zu entwickeln, die für <strong>de</strong>n Natur- und Artenschutz<br />

sowie zur Erholung beson<strong>de</strong>rs geeignet sind. Das Gebiet<br />

bil<strong>de</strong>t einen Teil <strong>de</strong>s Europäischen Vogelschutzgebietes<br />

„Lausitzer Bergbaufolgelandschaft“.<br />

Den größten Teil <strong>de</strong>s Gebietes bil<strong>de</strong>t die Wasserfläche <strong>de</strong>s<br />

Gräbendorfer Sees mit daran angrenzen<strong>de</strong>m Uferstreifen.<br />

Etwa 15 Prozent <strong>de</strong>r Insel sind als Sukzessionsfläche mit<br />

kleinteiligen Kiefernaufforstungen angelegt. Der be<strong>de</strong>utendste<br />

Teil ist aber eine knapp 25 Hektar große Insel.<br />

Diese Insel soll gemäß <strong>de</strong>n Zielstellungen <strong>de</strong>s Schutzgebietes<br />

als Brutinsel für Großmöwen erhalten und entwickelt<br />

wer<strong>de</strong>n.<br />

Lachmöwe und Graureiher, künftige Bewohner <strong>de</strong>r Insel<br />

Kiefernaufforstungen im Raum Gräbendorf, 1995<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

31


Metamorphosen<br />

Landschaftsverwandlung<br />

Bergbaufolgelandschaft<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

In kaum einer an<strong>de</strong>ren Region wird <strong>de</strong>m Teufel in <strong>de</strong>r Sagenwelt eine so große<br />

Be<strong>de</strong>utung eingeräumt wie in <strong>de</strong>r Lausitz. Alles, was <strong>de</strong>n Menschen wi<strong>de</strong>rfährt<br />

o<strong>de</strong>r missglückt, wird auf <strong>de</strong>n Teufel geschoben, <strong>de</strong>r wendisch „Tscherenbog“<br />

heißt. So sagten die Bergleute mit einem Augenzwinkern: „Der liebe Gott hat<br />

die Lausitz geschaffen, und <strong>de</strong>r Teufel hat die Kohle versteckt – aber wir haben<br />

sie gefun<strong>de</strong>n und gehörig abgetragen!“<br />

Die teuflischen Kohleverstecke wur<strong>de</strong>n mittlerweile zu Touristenattraktionen<br />

entwickelt. Innerhalb kurzer Zeit hat <strong>de</strong>r Raum Greifenhain/Gräbendorf einen<br />

enormen Landschafts- und Strukturwan<strong>de</strong>l durchgemacht. Die folgen<strong>de</strong>n sechs<br />

Orte sind beson<strong>de</strong>rs stark vom Strom <strong>de</strong>r Zeit erfasst wor<strong>de</strong>n und erleben noch<br />

heute eine wahre Metamorphose.<br />

Faszinieren<strong>de</strong> Anblicke im Tagebauraum<br />

Greifenhain/Gräbendorf, 2005<br />

Greifenhain/Gräbendorf 33


Orte im Strom <strong>de</strong>r Zeit<br />

Laasow/Wüstenhain Casel/Red<strong>de</strong>rn Göritz/Nebendorf<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Laasow ist durch Ansiedlungen <strong>de</strong>r<br />

Sorben/Wen<strong>de</strong>n entstan<strong>de</strong>n. Noch<br />

bis Mitte <strong>de</strong>s 19. Jahrhun<strong>de</strong>rts gab<br />

es wendisch sprechen<strong>de</strong> Einwohner.<br />

Laasow war noch ein Rittergut.<br />

Die Landwirtschaft prägte das<br />

Leben im 19. Jahrhun<strong>de</strong>rt.<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Casel und Red<strong>de</strong>rn lagen im<br />

19. Jahrhun<strong>de</strong>rt inmitten einer für<br />

diese Gegend typischen Hei<strong>de</strong>und<br />

Teichlandschaft. Viele Teiche<br />

und Fließe sowie weiträumige<br />

Wald- und Ackerflächen bestimmten<br />

das Landschaftsbild.<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Göritz und Nebendorf waren<br />

kleine Weiler. Der Getrei<strong>de</strong>- und<br />

Flachsanbau sowie die Forstwirtschaft<br />

waren die wichtigsten<br />

Erwerbsquellen.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1979-1992<br />

In <strong>de</strong>n 70er und 80er Jahren<br />

<strong>de</strong>s 20. Jahrhun<strong>de</strong>rts rückte <strong>de</strong>r<br />

Tagebau <strong>de</strong>m Ort sehr nahe.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1979-1992<br />

Der Tagebau Gräbendorf verän<strong>de</strong>rte<br />

entschei<strong>de</strong>nd die Umgebung<br />

bei<strong>de</strong>r Orte, sichtbar u.a. am<br />

Trockenfallen <strong>de</strong>s Schlossteiches<br />

in Red<strong>de</strong>rn und an <strong>de</strong>n Kohlebahntrassen.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1979-1992<br />

Der Tagebau Greifenhain<br />

verän<strong>de</strong>rte das Landschaftsbild<br />

<strong>de</strong>utlich. Der Ort Nebendorf ist<br />

1975 verschwun<strong>de</strong>n, südlich von<br />

Göritz wur<strong>de</strong>n große Flächen durch<br />

<strong>de</strong>n Hauptmontageplatz <strong>de</strong>s<br />

Tagebaus beansprucht,<br />

Kohlebahntrassen durchzogen die<br />

Landschaft.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Heute liegt Laasow am Ufer <strong>de</strong>s<br />

Gräbendorfer Sees. Am Seeufer<br />

ist die Entwicklung touristischer<br />

Anlagen geplant.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Nach Abschluss <strong>de</strong>r Sanierung<br />

wird sich Casel zu einem attraktiven<br />

Wohnstandort am Wasser<br />

entwickeln; <strong>de</strong>r Schlossteich in<br />

Red<strong>de</strong>rn bekommt wie<strong>de</strong>r Wasser.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Zukünftig wird Göritz ein Ort<br />

umgeben von Wald sein. Der<br />

Altdöberner See im Sü<strong>de</strong>n und <strong>de</strong>r<br />

Gräbendorfer See im Nor<strong>de</strong>n sind<br />

jedoch gut erreichbar.<br />

34


Pritzen<br />

Greifenhain/Buchholz<br />

Altdöbern/Klein Jauer<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Pritzen ist ein im 15. Jahrhun<strong>de</strong>rt<br />

gegrün<strong>de</strong>tes Straßendorf, welches<br />

im 19. Jahrhun<strong>de</strong>rt vor allem<br />

durch ausge<strong>de</strong>hnte Ackerflächen<br />

sowie große Waldflächen in seiner<br />

Umgebung geprägt war. Die Straße<br />

von Drebkau nach Altdöbern<br />

durchquerte <strong>de</strong>n Ort.<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Die für <strong>de</strong>n Tagebau namensgeben<strong>de</strong><br />

Ortschaft Greifenhain und<br />

<strong>de</strong>r Ort Buchholz waren nur kleine<br />

Ansiedlungen. Im Umfeld <strong>de</strong>r Orte<br />

befan<strong>de</strong>n sich weiträumige Ackerund<br />

Waldflächen.<br />

vor <strong>de</strong>m Bergbau um 1846<br />

Altdöbern wur<strong>de</strong> im 19. Jahrhun<strong>de</strong>rt<br />

von seinem Schloss und <strong>de</strong>m<br />

weiträumigen, mehr als<br />

60 Hektar großen Landschaftspark<br />

dominiert. Im 20. Jahrhun<strong>de</strong>rt<br />

hat sich das Stadtgebiet<br />

von Altdöbern beträchtlich<br />

vergrößert.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1935-1994<br />

Der Tagebau Greifenhain hat<br />

Pritzen zu Zeiten <strong>de</strong>s Bergbaus<br />

umschlossen. Werkstätten<br />

und die Kohleverladung <strong>de</strong>s<br />

Tagebaus prägten <strong>de</strong>n Ort über<br />

mehrere Jahrzehnte. Im Jahr 1973<br />

beschloss man die Auflösung und<br />

Verlagerung <strong>de</strong>r Gemein<strong>de</strong> Pritzen.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1935-1994<br />

Der Tagebau Greifenhain<br />

be<strong>de</strong>utete in <strong>de</strong>r ersten Hälfte<br />

<strong>de</strong>r 60er Jahre das En<strong>de</strong> für <strong>de</strong>n<br />

Ort Buchholz. Greifenhain war vor<br />

allem Knotenpunkt verschie<strong>de</strong>ner<br />

Kohlebahnstrecken.<br />

Zeit <strong>de</strong>s Bergbaus, 1935-1994<br />

Der Tagebau hat seine Spuren<br />

vor allem dadurch hinterlassen,<br />

dass die Orte Groß-Jauer und<br />

Klein-Jauer von <strong>de</strong>r Land-karte<br />

verschwun<strong>de</strong>n sind.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Durch die Stillsetzung <strong>de</strong>s<br />

Tagebaus 1992 ist <strong>de</strong>r Ort erhalten<br />

geblieben und liegt heute als<br />

Halbinsel im Altdöberner See.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Greifenhain hat sich seit<strong>de</strong>m in<br />

seiner Größe nicht wesentlich verän<strong>de</strong>rt.<br />

Durch die Rekultivierung<br />

<strong>de</strong>r Kippenflächen <strong>de</strong>s Tagebaus<br />

sind große, zusammenhängen<strong>de</strong><br />

Waldgebiete entstan<strong>de</strong>n.<br />

nach <strong>de</strong>m Bergbau, ca. 2010<br />

Heute liegt Altdöbern am gleichnamigen<br />

See. Dies eröffnet neue<br />

Möglichkeiten für die Stadtentwicklung.<br />

In südöstlicher Richtung<br />

soll eine Verbindung zwischen See<br />

und Stadt hergestellt wer<strong>de</strong>n.<br />

Greifenhain/Gräbendorf<br />

35


Glossar<br />

Abraum Zwischen Erdoberfläche und<br />

Lagerstätte liegen<strong>de</strong> Erdschichten (auch<br />

Deckgebirge o<strong>de</strong>r Hangen<strong>de</strong>s)<br />

Abraumför<strong>de</strong>rbrücke Tagebaugroßgerät<br />

zum Abtragen von Abraum, das vor allem<br />

im Lausitzer Revier eingesetzt wird. In<br />

einem Arbeitsgang können bis zu 60 m<br />

mächtige Bo<strong>de</strong>nschichten abgetragen, über<br />

<strong>de</strong>n Tagebau transportiert und verkippt<br />

wer<strong>de</strong>n.<br />

Absetzer Großgerät, das im Braunkohlentagebau<br />

zum Verkippen von Abraum in <strong>de</strong>n<br />

ausgekohlten Teil <strong>de</strong>s Tagebaus eingesetzt<br />

wird<br />

Außenkippe Kippe außerhalb <strong>de</strong>s jetzigen<br />

Tagebaus, in <strong>de</strong>m <strong>de</strong>r Abraum bewegt wird<br />

Drehpunkt Punkt, um <strong>de</strong>n <strong>de</strong>r Tagebau<br />

schwenkt<br />

Eimerkettenbagger Gewinnungsgerät im<br />

Tagebau mit Eimern, die an einer umlaufen<strong>de</strong>n<br />

Kette über einen Ausleger laufen<br />

und das Erdreich (Abraum o<strong>de</strong>r Braunkohle)<br />

abkratzen<br />

Filterbrunnen Bohrloch mit Pumpe zum<br />

Heben von Grundwasser<br />

Flöz Bo<strong>de</strong>nschicht, die einen nutzbaren<br />

Rohstoff enthält, z. B. Braunkohle, Kali,<br />

Kupferschiefer<br />

Grubenwasserreinigungsanlage<br />

(GWRA) Anlage zum Reinigen <strong>de</strong>s im<br />

Tagebau gehobenen Grundwassers; nach<br />

Reinigung z. B. Nutzung als Brauchwasser<br />

Innenkippe Kippe für Abraum innerhalb<br />

<strong>de</strong>s ausgekohlten Tagebauraumes<br />

Liegen<strong>de</strong>s Bo<strong>de</strong>nschicht unterhalb <strong>de</strong>s<br />

Kohlenflözes<br />

Rütteldruckverdichtung (RDV) Tiefenverdichtungsmetho<strong>de</strong><br />

für das Erdreich<br />

beson<strong>de</strong>rs im rutschungsgefähr<strong>de</strong>ten<br />

Kippenvorfeld und im Uferbereich von Tagebaurestlöchern;<br />

Verdichtung <strong>de</strong>s Erdreiches<br />

mit einer an einem Seilbagger hängen<strong>de</strong>n<br />

Rüttellanze und einer rotieren<strong>de</strong>n Unwucht<br />

Setzungsfließen Rutschung infolge einer<br />

spontanen Verflüssigung locker gelagerter,<br />

wassergesättigter, gleichförmiger, sandiger<br />

Kippen; wird z. B. durch eine Erschütterung<br />

ausgelöst<br />

Sohle Arbeitsebene in einem Tagebau<br />

Sümpfung Heben und Ableiten von Grundwasser<br />

zur Trockenhaltung <strong>de</strong>r Tagebaue<br />

durch Tauchmotorpumpen in Entwässerungsbrunnen<br />

Tagesanlagen Zentraler Bereich am Tagebaurand<br />

mit Umklei<strong>de</strong>- und Waschräumen,<br />

Büros, Parkplätzen, Betriebsfeuerwehr,<br />

Sanitätsstation, Werkstätten und Magazin<br />

Tiefschnitt Gewinnung <strong>de</strong>r Kohle unterhalb<br />

<strong>de</strong>r Arbeitsebene eines Schaufelradbaggers/Eimerkettenbaggers<br />

Verkippung Ablagerung von Abraum auf<br />

<strong>de</strong>r ausgekohlten Seite <strong>de</strong>s Tagebaus<br />

Vorfeld Bereich innerhalb <strong>de</strong>r genehmigten<br />

Tagebaugrenzen, wo <strong>de</strong>r Abbau unmittelbar<br />

bevorsteht und vorbereiten<strong>de</strong> Maßnahmen<br />

zur Freimachung <strong>de</strong>r Erdoberfläche wie<br />

Rodung und Beseitigung von Straßen laufen<br />

Vorflut Wasserlauf (Fluss, Bach, Kanal),<br />

über <strong>de</strong>n das in <strong>de</strong>n Tagebauen gehobene<br />

und gereinigte Grubenwasser abgeleitet<br />

wird<br />

Vorschnitt Der Abraumför<strong>de</strong>rung vorausgehen<strong>de</strong>r<br />

Abbaubetrieb, för<strong>de</strong>rt die oberen<br />

Bo<strong>de</strong>nschichten bis <strong>de</strong>r Arbeitsbereich <strong>de</strong>r<br />

Abraumför<strong>de</strong>rbrücke beginnt<br />

36


Impressum<br />

Herausgeber:<br />

Lausitzer und Mittel<strong>de</strong>utsche<br />

Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH<br />

Unternehmenskommunikation<br />

(verantw. Dr. Uwe Steinhuber)<br />

Knappenstr. 1, 01968 Senftenberg<br />

Telefon: + 49 3573 84 - 4302<br />

Telefax: + 49 3573 84 - 4610<br />

www.lmbv.<strong>de</strong><br />

Konzept, Text, Realisierung:<br />

LMBV – Abteilung Planung Lausitz<br />

(Hans-Jürgen Kaiser, Matthias Horst),<br />

andreas kadler • <strong>post</strong>-<strong>mining</strong> & brownfields consulting<br />

agreement werbeagentur (Marcus Blanke)<br />

Gestaltung und Satz: agreement werbeagentur<br />

Grundgestaltung: wallat & knauth<br />

Mit freundlicher Unterstützung:<br />

Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land,<br />

Lausitzer Rundschau, Traditionsverein Braunkohle<br />

Senftenberg e.V., Studio Babelsberg<br />

Fotografen:<br />

Christian Be<strong>de</strong>schinski, Petra Petrick, Peter Radke,<br />

Lena Schmidt, Sammlung Detlef Franzen,<br />

Sammlung Bernd Schmidt<br />

2010/2011<br />

Die unterschiedliche Schreibweise von Ortsbezeichnungen in Karten und Texten resultiert<br />

aus <strong>de</strong>r Nutzung unterschiedlicher Quellen, die hier jeweils korrekt wie<strong>de</strong>rgegeben<br />

wer<strong>de</strong>n. Die vorliegen<strong>de</strong> Dokumentation wur<strong>de</strong> nach bestem Wissen und Gewissen<br />

recherchiert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Der Inhalt dieser Broschüre<br />

ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung, Verbreitung, Nachnutzung o<strong>de</strong>r<br />

sonstige gewerbliche Nutzung ohne Zustimmung <strong>de</strong>r LMBV sind untersagt.<br />

Wandlungen und Perspektiven<br />

In dieser Reihe sind bereits erschienen:<br />

Lausitzer Braunkohlenrevier<br />

01 Schlabendorf/Seese **<br />

02 Greifenhain/Gräbendorf **<br />

03 Sedlitz/Skado/Koschen **<br />

04 Kleinleipisch/Klettwitz/Klettwitz-Nord *<br />

05 Plessa/Lauchhammer/Schwarzhei<strong>de</strong><br />

06 Tröbitz/Domsdorf<br />

07 Spreetal/Bluno<br />

08 Scheibe/Burghammer<br />

09 Lohsa/Dreiweibern<br />

10 Meuro<br />

11 Erika/Laubusch<br />

12 Bärwal<strong>de</strong><br />

13 Berzdorf<br />

14 Meuro-Süd<br />

15 Welzow-Süd/Jänschwal<strong>de</strong>/Cottbus-Nord<br />

16 Trebendorfer Fel<strong>de</strong>r/Nochten/Reichwal<strong>de</strong><br />

17 Knappenro<strong>de</strong><br />

18 Braunkohlenveredlung in <strong>de</strong>r Lausitz (I)<br />

19 Braunkohlenveredlung in <strong>de</strong>r Lausitz (II)<br />

Mittel<strong>de</strong>utsches Braunkohlenrevier<br />

01 Holzweißig/Goitsche/Rösa **<br />

02 Espenhain **<br />

03 Geiseltal *<br />

04 Böhlen/Zwenkau/Cospu<strong>de</strong>n **<br />

05 Wasserlandschaft im Leipziger Neuseenland<br />

06 Golpa-Nord/Gröbern<br />

07 Borna-Ost/Bockwitz<br />

08 Witznitz II<br />

09 Haselbach/Schleenhain<br />

10 Braunkohlenveredlung in Mittel<strong>de</strong>utschland (I)<br />

11 Braunkohlenveredlung in Mittel<strong>de</strong>utschland (II)<br />

* unverän<strong>de</strong>rter Nachdruck<br />

** 2. aktualisierte Auflage


Lausitzer und Mittel<strong>de</strong>utsche<br />

Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH<br />

Knappenstraße 1<br />

01968 Senftenberg<br />

www.lmbv.<strong>de</strong>

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