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Spieltheorie

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6 Mechanismusdesign<br />

Beim Mechanismusdesign handelt es sich um einen Teilbereich der <strong>Spieltheorie</strong>, bei dem es<br />

um die Synthese von Spielen geht. Ziel ist es, eine soziale Entscheidung als Lösung eines<br />

Spiels zu implementieren, also Spiele so zu definieren, dass deren Lösungen (Gleichgewichte)<br />

gerade die gewünschten Ausgänge sind.<br />

Beispiele für soziale Entscheidungen sind Wahlen, das Aufstellen einer Berufungsliste, Auktionen<br />

und Festlegungen von Policies.<br />

Nicht immer werden die Präferenzen der beteiligten Personen ehrlich angegeben. Mechanismusdesign<br />

implementiert die Bestimmung der sozialen Entscheidungen in einer strategischen<br />

Umgebung, in der die Präferenzen der Teilnehmer nicht öffentlich sind.<br />

6.1 Soziale Entscheidungen<br />

Wenn wir über soziale Entscheidungen sprechen, verwenden wir häufig Begriffe aus dem<br />

Kontext von Wahlen (Kandidaten, Wähler, . . . ), müssen dabei aber beachten, dass es neben<br />

Wahlen auch andere soziale Entscheidungen gibt.<br />

Definition 71 (Soziale Wohlfahrtsfunktion und soziale Entscheidungsfunktion). Sei A eine<br />

Menge von Alternativen (Kandidaten) und L die Menge der linearen Ordnungen über A.<br />

Bei n Wählern bezeichnet F : L n → L eine soziale Wohlfahrtsfunktion und f : L n → A<br />

eine soziale Entscheidungsfunktion.<br />

Notation 72. Eine lineare Ordnung ≺ ∈ L wird als Präferenzrelation bezeichnet. Für<br />

Wähler i = 1, . . .,n ist ≺ i die Präferenzrelation dieses Wählers, d. h. a ≺ i b bedeutet, dass<br />

Wähler i den Kandidaten b gegenüber Kandidaten a bevorzugt.<br />

Beispiel 73 (Mehrheitsentscheidung). Die Mehrheitsentscheidung funktioniert gut, wenn<br />

man nur zwischen zwei Alternativen auszuwählen hat. Der Mechanismus funktioniert jedoch<br />

nicht, falls |A| ≥ 3 ist (Condorcet-Paradoxon, 1785). Seien etwa die Präferenzen der drei<br />

Wähler 1, 2 und 3 bezüglich der drei Kandidaten a, b und c wie folgt:<br />

a ≺ 1 b ≺ 1 c<br />

b ≺ 2 c ≺ 2 a<br />

c ≺ 3 a ≺ 3 b<br />

Dann bevorzugt eine relative Mehrheit der Wähler (nämlich Wähler 1 und 3) Kandidaten<br />

b gebenüber a, eine relative Mehrheit (nämlich Wähler 1 und 2) Kandidaten c gegenüber<br />

b und eine relative Mehrheit (nämlich Wähler 2 und 3) Kandidaten a gegenüber c. Würde<br />

man daraus ableiten, dass auch a ≺ b, b ≺ c und c ≺ a gelten müsste, so würde mit<br />

der Transitivität von ≺ auch a ≺ a folgen, was nicht möglich ist, eine solche Definition<br />

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