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In Putins Russland

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ihr ganzes Eheleben lang die Professorensippe ertragen<br />

hatte, um sich jetzt von einer anderen aus der Wohnung<br />

vergraulen zu lassen. Da sollte sich Andrej erst gar keine<br />

Hoffnungen machen. Das sagte ihm Tanja klipp und klar.<br />

Andrej packte ein paar Sachen und verschwand, mitsamt<br />

seiner Studentin. Der Tee blieb unausgetrunken stehen.<br />

Im Grunde begann an diesem Tag Tanjas neues Leben :<br />

das absolut selbständig und in nichts mit dem früheren<br />

vergleichbar war. Andrej zeigte sich von der übelsten<br />

Seite, zahlte weder für die Kinder noch für sie auch nur<br />

eine Kopeke Unterhalt. Zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil,<br />

später war er auch noch so schäbig, sich von ihr<br />

aushalten zu lassen. Ein paar Jahre nach der Trennung –<br />

Tanja hatte es schon zu ein bisschen Geld gebracht – gab<br />

sie ihm hin und wieder etwas zu essen, kleidete ihn<br />

sogar ein. Nicht aus Herzensgüte oder Mitleid mit dem<br />

nunmehrigen Professor der Technischen Hochschule, der<br />

noch immer bettelarm war, seiner beruflichen Orientierung<br />

aber treu blieb und bewusst darauf verzichtete, sich<br />

ein einträglicheres Auskommen auf dem freien Markt zu<br />

suchen, wie es viele seiner Kollegen taten.<br />

Tanja fütterte Andrej durch, weil darin ihre Revanche<br />

lag. Immer wieder sprach sie laut vor sich hin : »Du hast<br />

gedacht, du könntest mich demütigen ? Jetzt bin ich es,<br />

die dich demütigt !« Und servierte ihm roten Kaviar – zu<br />

Sowjetzeiten der <strong>In</strong>begriff für Luxus. Den konnte sie sich<br />

jetzt leisten. Und Andrej stopfte sich den Mund voll mit<br />

diesem Kaviar, wurde nicht einmal rot vor Scham und<br />

Erniedrigung, der Hunger setzte ihm so sehr zu, dass<br />

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